PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Frauen
-
Wie Hormone ADHS beeinflussen

ADHS zeigt sich bei Frauen nicht nur anders als bei Jungen und Männern, sondern auch die Symptome können bei hormonellen Veränderungen variieren. Eine Expertin berichtet in einem Buch von ihren Erfahrungen.
AutorKontaktdpa
Datum 08.01.2026  14:00 Uhr

Während AD(H)S bei Jungen und Männern häufig schon im Kindesalter erkannt wird, bleibt die neurobiologische Störung bei Mädchen und Frauen mit der Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität (ADHS) oder ADS, der Aufmerksamkeitsdefizitstörung, oft lange unbeachtet. Ein Grund dafür ist, dass sich die Symptome bei ihnen anders zeigen und zudem stärker schwanken – etwa im Verlauf des Zyklus, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.

Auffällig ist: Bei Frauen mit AD(H)S können bereits vergleichsweise kleine hormonelle Veränderungen größere Auswirkungen haben als bei Frauen ohne Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Fachleute sprechen von stärkeren »Ausschlägen« – etwa bei Stimmung, Konzentration oder Stressverarbeitung.

Motivation, Stimmung, Stabilität – alles eine Hormonfrage

Ein zentraler Faktor sind dabei weibliche Sexualhormone, vor allem Östrogen. Dieses Hormon beeinflusst nicht nur den Körper, sondern auch Botenstoffe im Gehirn – darunter Dopamin und Serotonin. Diese Stoffe sind unter anderem wichtig für Konzentration, Motivation, Stimmung und emotionale Stabilität. Sinkt der Östrogenspiegel – etwa in der zweiten Zyklushälfte, nach einer Geburt oder in der Menopause –, kann dieses fein austarierte Gleichgewicht gestört werden. Viele Frauen reagieren dann empfindlicher auf Stress oder emotionale Belastungen.

Für Frauen mit AD(H)S können sich die Symptome in solchen Phasen deutlich verstärken, sagt die schwedische Psychiaterin Lotta Borg Skoglund. Betroffene berichten dann häufiger von erhöhter Ablenkbarkeit, geringerer Stressresistenz, starker Emotionalität und vermehrten Schlafproblemen. Borg Skoglund ist auf die Behandlung von ADHS und ADS bei Mädchen und Frauen spezialisiert und hat dem Thema ein Buch gewidmet.

Dopamin im Fokus

Damit verständlich wird, warum Hormone wie Östrogen AD(H)S-Symptome beeinflussen können, lohnt sich ein Blick auf Dopamin. Dieser Neurotransmitter hilft dabei, Aufmerksamkeit zu steuern, Motivation aufrechtzuerhalten und Gefühle zu regulieren. Steht zu wenig Dopamin zur Verfügung, fällt es schwerer, sich zu konzentrieren, innere Anspannung zu kontrollieren oder Aufgaben bis zum Ende durchzuhalten.

Bei Menschen mit ADHS ist dieses Dopamin-System verändert. Fachleute gehen davon aus, dass Dopamin im Gehirn weniger wirksam zur Verfügung steht – nicht unbedingt, weil es gar nicht vorhanden ist, sondern weil es schneller wieder abgebaut oder nicht ausreichend genutzt wird. Das kann erklären, warum Betroffene oft impulsiv reagieren, sich leicht ablenken lassen oder emotional stärker schwanken.

Um diesen Mangel auszugleichen, erhalten ADHS-Patientinnen häufig Medikamente. Sie erhöhen die Verfügbarkeit der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und können so Konzentration, Antrieb und emotionale Stabilität verbessern. »Dopamin trägt dazu bei, viele unserer alltäglichen Verhaltensweisen, aber auch einige der problematischeren zu steuern. Durch die Ausschüttung von Dopamin erleben wir Gefühle von Energie und Freude«, erklärt Borg Skoglund. Es wirkt motivierend und sorgt dafür, dass Menschen Aufgaben beginnen und auch dabeibleiben.

An dieser Stelle kommen die Hormone ins Spiel: Östrogen beeinflusst den Dopaminhaushalt im Gehirn auf mehreren Ebenen. Es kann die Produktion des Neurotransmitters anregen, dessen Freisetzung fördern und den Abbau verlangsamen. »Östrogen ist ein wahrer Dopamin-Booster«, sagt Matthias Rudolph, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit einer Praxis im rheinland-pfälzischen Boppard. Sinkt der Östrogenspiegel, steht entsprechend oft weniger Dopamin zur Verfügung – was sich bei Frauen mit AD(H)S besonders deutlich bemerkbar machen kann.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa