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Weniger Treibgase, weniger Abfall
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Wie nachhaltig arbeitet die Pharmabranche?

Immer mehr Unternehmen möchten sich umweltbewusst und nachhaltig präsentieren – auch in der Pharmabranche. Ob in Bezug auf Energie, Wasser oder Verpackungen: Nachhaltigkeitsstrategien sind längst Teil der Agenda zahlreicher Firmen.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 11.09.2025  16:00 Uhr

Grüne Chemie

Auch die sogenannte grüne Chemie gewinnt in der Pharmabranche an Bedeutung: Die Unternehmen arbeiten daran, Synthesewege effizienter zu gestalten. Giftige Lösungsmittel wie Dichlormethan oder Benzol sollen dabei möglichst durch umweltfreundlichere Alternativen wie Ethanol oder Wasser ersetzt werden. Ein bekanntes Beispiel für die Anwendung der grünen Chemie ist die Synthese des Antidiabetikums Sitagliptin. Durch die Entwicklung eines maßgeschneiderten Enzyms konnten Forscher der Firma Merck in Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftlern eine Synthese mit deutlich weniger Schritten, Lösungsmitteln und anfallendem Abfall ermöglichen.

Ein weiterer Brennpunkt sind Inhalatoren: Die bisher verwendeten Treibgase haben ein tausendfach höheres Treibhauspotenzial als CO₂. Firmen wie GlaxoSmithKline, AstraZeneca und Chiesi entwickeln daher gerade neue Treibmittel mit geringeren Effekten auf das Klima.

Gelebte Nachhaltigkeit

Auch viele mittelständische Unternehmen investieren in den Klimaschutz. Ein Beispiel für ein Unternehmen, das großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, ist die Firma Medicos Kosmetik. Unter der Marke Dermasence stellt sie medizinische Hautpflegeprodukte her. »Nachhaltigkeit ist bei uns nicht nur ein Projekt, sondern ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie und wird gemeinsam mit allen Mitarbeitenden aktiv gelebt«, betont Kathrin Schrameyer, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Dermasence, im Gespräch mit PTA-Forum.

Sie berichtet: »Wir erstellen regelmäßig eine CO₂-Bilanz, um unsere Emissionen transparent zu erfassen und Handlungsfelder sichtbar zu machen. Da fließen Maßnahmen ein wie Ökostrom, Photovoltaik und ressourcenschonende Verpackungen.« Für den Versand verwendet Dermasence ausschließlich Recycling-Luftpolsterfolien, klimaneutrale Kartons und CO₂-neutrale Versandwege. Pflanzliche Extrakte werden gezielt angebaut und schonend verarbeitet, Lieferketten laut Schrameyer möglichst regional und transparent gehalten. Bei Verpackungen setzt Dermasence auf Rezyklate – also Kunststoffe aus recyceltem Material – und reduziert so den Verbrauch von Neuplastik.

Stichwort Abfall: Die Pharmabranche erzeugt mit Blistern, Tiegeln, Tuben, Spraydosen und deren Umverpackungen enorm viel Müll. Biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien könnten Lösungen für die Zukunft sein, sind aber noch in der Entwicklung. Das Verpackungsunternehmen ACG beispielsweise hat ein Blistersystem auf Papierbasis entwickelt, das recycel- und kompostierbar ist. Es gibt außerdem erste Ansätze, Verpackungsmaterial aus Stärke, Zuckerrohr, Seealgen, Bambus oder Pilzsubstraten zu gewinnen. Doch: Eine perfekte nachhaltige Verpackung gibt es bislang noch nicht; die Entwicklung bleibt eine Herausforderung.

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