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ADHS oder Autismus als Identitätslabel
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Zunahme von Selbst- und Wunschdiagnosen

Für viele junge Menschen ist eine Diagnose wie ADHS oder Autismus nicht nur eine klinische Kategorie, sondern auch eine soziale Identität, die mitunter Zugehörigkeit und Anerkennung vermitteln kann. Eine aktuelle Studie aus Österreich zeigt: Immer mehr junge Erwachsene suchen Psychologen auf, um sich eine entsprechende Selbst- oder Wunschdiagnose bestätigen zu lassen.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 29.01.2026  11:00 Uhr
Patienten drängen auf Bestätigung der Eigendiagnose

Patienten drängen auf Bestätigung der Eigendiagnose

Viele der befragten Psychologen schilderten den Studienautoren zufolge, dass Patienten »umfangreiches Halbwissen« aus Social Media, Online-Selbsttests oder Gesprächen im Umfeld mitbrächten. Die Vorstellung diagnostischer Kriterien sei häufig verengt oder verzerrt, Alltagsphänomene würden rasch pathologisiert. In Fragebögen und Gesprächen würden viele dieser Patienten »diagnosegeleitet« antworten, das heißt, sie würden Symptome, die zum gewünschten Label passen, besonders hervorheben. Für alternative Erklärungen fehle es meist an Offenheit.

Werde die erwartete Diagnose nicht bestätigt, reagierten Patienten häufig enttäuscht und traurig. Auch berichteten die befragten Psychologen von Ärger, Kritik und einer Art »Diagnose-Shopping« – dem Aufsuchen weiterer Fachleute, um die gewünschte Diagnose doch noch zu bestätigen. »Fachpersonen sollten sehr transparent erklären, wie eine Schlussfolgerung erfolgte – und zugleich anerkennen, dass die gewünschte Diagnose für manche zu einem Teil ihrer Identitätsgeschichte geworden ist«, schlussfolgert Mittmann.

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