| Verena Schmidt |
| 29.01.2026 11:00 Uhr |
Viele der befragten Psychologen schilderten den Studienautoren zufolge, dass Patienten »umfangreiches Halbwissen« aus Social Media, Online-Selbsttests oder Gesprächen im Umfeld mitbrächten. Die Vorstellung diagnostischer Kriterien sei häufig verengt oder verzerrt, Alltagsphänomene würden rasch pathologisiert. In Fragebögen und Gesprächen würden viele dieser Patienten »diagnosegeleitet« antworten, das heißt, sie würden Symptome, die zum gewünschten Label passen, besonders hervorheben. Für alternative Erklärungen fehle es meist an Offenheit.
Werde die erwartete Diagnose nicht bestätigt, reagierten Patienten häufig enttäuscht und traurig. Auch berichteten die befragten Psychologen von Ärger, Kritik und einer Art »Diagnose-Shopping« – dem Aufsuchen weiterer Fachleute, um die gewünschte Diagnose doch noch zu bestätigen. »Fachpersonen sollten sehr transparent erklären, wie eine Schlussfolgerung erfolgte – und zugleich anerkennen, dass die gewünschte Diagnose für manche zu einem Teil ihrer Identitätsgeschichte geworden ist«, schlussfolgert Mittmann.