Welcher Lichtschutz individuell geeignet ist, richte sich nach den individuellen Bedürfnissen, erklärte die Dermatologin. Er hängt von Hauttyp, Vorbräunung und UV-Index am Aufenthaltsort ab. Immer LSF 50 zu verwenden, sei nicht die beste Wahl. »Damit belastet man die Haut unnötig mit Fremdsubstanzen und unterdrückt die Vitamin-D-Synthese unnötig stark«, meinte Bayerl.
Auch Privatdozent Dr. Stephan Scharla, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie in Bad Reichenhall, plädierte im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) dafür, den Lichtschutz gegen die notwendige Bestrahlung für die Vitamin-D-Produktion gegeneinander abzuwägen. »Im Winter kommt hierzulande die körpereigene Synthese aufgrund der zu geringen UV-B-Strahlungsintensität zum Erliegen. Aber nur UV-B-Strahlen ermöglichen die körpereigene Vitamin-D-Bildung.« Die regelmäßige Verwendung von Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor zählte er zu den Risikofaktoren, um in einen Vitamin-D-Mangel zu geraten.
Was ist die notwendige Sonnendosis für die Vitamin-D-Produktion? Laut dem Endokrinologen reichte es dafür in den Sommermonaten etwa zehn Minuten am späten Vormittag zwei- bis dreimal pro Woche aus, Gesicht, Hände und Unterarme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen. Zu bedenken sei allerdings, dass die Vitamin-D-Synthese bei älteren Erwachsenen erheblich ins Stocken gerät und diese Personengruppe ohnehin nicht mehr so oft ins Freie gehe.
Für gewöhnlich baue ein gesunder Mensch im Sommer einen ausreichenden Speicher auf, von dem er im Winter zehre. Die niedrigsten Vitamin-D-Spiegel würden typischerweise im Februar oder März erreicht – denn dann ist das Depot aufgebraucht. »Es ist zudem gar nicht belegt, ob niedrige Vitamin-D-Spiegel im Winter überhaupt eine krankhafte Bedeutung haben«, erklärte Scharla. Untersuchungen zeigten, dass gesunde Erwachsene im Sommer rund 1 Prozent Knochenmineral aufbauen und im Winter wieder 1 Prozent verlieren.
Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren benötigen aus Sicht des Experten keine Vitamin-D-Supplementation. Allerdings sei eine individuelle Selbstmedikation mit Vitamin D nicht schädlich, sodass nichts gegen eine präventive Einnahme spreche. »Im Winter kann man bedenkenlos ein Supplement von etwa 25 µg (1000 I. E.) täglich einnehmen. Das schadet nicht, kostet nicht viel und man kann sich sicherlich etwas Gutes tun«, so Scharla. Eine Empfehlung von Fachgesellschaften für eine generelle vorherige Blutspiegelmessung gebe es nicht.
Die empfohlene Dosierung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt zwischen 800 und maximal 3000 Einheiten täglich (20 μg – 75 μg tgl.). Der Experte rät zur täglichen Einnahme; diese sei höher dosierten Bolus-Gaben im Intervall vorzuziehen. Und er sprach sich für Präparate aus der Apotheke aus – »weil eine Qualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe, der Konzentration und der angegebenen Einheiten gegeben ist.«