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Zunge
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Alles rosa?

Die Zunge ist ein wichtiges Organ: Ohne sie könnten wir nicht richtig sprechen, schlucken oder schmecken. Ihr Aussehen und der Belag auf dem Zungenrücken können darüber hinaus Hinweise auf bestimmte Erkrankungen liefern.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 20.02.2025  08:30 Uhr

Weiß, rot, schwarz

Ist der Belag auf der Zunge auffällig, hat er eine andere Farbe als normal oder stellen Betroffene sonstige Veränderungen fest, sollten sie dies zunächst beobachten und, sofern es bestehen bleibt, beim Arzt abklären lassen. Eine auffällig belegte Zunge kann auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Hier einige Beispiele:

  • Ein dickerer, weißer Belag auf der Zunge tritt recht häufig auf. Er kann ein Zeichen für einen Infekt oder eine Magen-Darm-Störung sein. Auch bei einer Infektion der Mundschleimhaut mit dem Pilz Candida albicans, dem Mundsoor, bildet sich ein weißlicher Belag, der abwischbar ist.
  • Ist die Zunge intensiv rot gefärbt, geschwollen und sind kleine, körnchenartige Erhebungen zu sehen (hervortretende Geschmacksknospen), handelt es sich womöglich um eine »Himbeerzunge«, ein typisches Symptom von Scharlach. Die Kinderkrankheit wird durch bestimmte Streptokokken ausgelöst und zählt zu den häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten bei Kindern. Ähnlich sieht die Zunge auch beim Kawasaki-Syndrom aus, einer seltenen Krankheit, bei der es zu Entzündungen der Gefäße kommt. Auch hiervon sind meist Kleinkinder betroffen.
  • Erscheint die Zunge im mittleren und hinteren Teil schwarz verfärbt beziehungsweise ist sie mit einem dunklen pelzigen Belag bedeckt, sprechen Mediziner von einer schwarzen Haarzunge. Sie entsteht, weil sich bestimmte Papillen, die Papillae filiformes, aufgrund einer verstärkten Hornbildung verlängern. Das aufsitzende Keratin wird wahrscheinlich durch Nahrungspigmente und Bakterien verfärbt und erweckt so den Eindruck, als würden Haare auf der Zunge wachsen. Die Veränderung ist an sich harmlos, kann bei extremer Ausprägung allerdings zu Schluck- oder Sprechstörungen führen. Männer und Raucher sind häufiger betroffen. Auslösend für die Hyperkeratose sind unter anderem Medikamente, zum Beispiel Antibiotika, oder auch ein zu intensiver Gebrauch von Mundspüllösungen mit dem Wirkstoff Chlorhexidin.
  • Ein gelber Belag kann in seltenen Fällen auf eine Erkrankung der Leber oder Gallenblase hindeuten. Bei Rauchern können Rückstände auf der Zunge ebenfalls für einen gelblichen Belag sorgen. Auch ein brauner Belag entsteht mitunter durch starkes Rauchen, kann aber auch auf Probleme der Verdauungsorgane oder eine Nierenschwäche hinweisen.
  • Bei einer blau gefärbten Zunge ist womöglich die Sauerstoffversorgung im Körper gestört, was auf eine Lungenerkrankung hindeuten könnte.
  • Bei einer »Lackzunge« erscheint die Oberfläche auffällig glänzend, rot und glatt; häufig kommt es dabei auch zu einem Zungenbrennen. Die Lackzunge ist typisches Zeichen einer Leberzirrhose, auch ein Vitamin-B12-Mangel kann dahinterstecken.
  • Die »Landkartenzunge« ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Zunge. Kennzeichnend sind Belag, tiefe Furchen und gerötete Stellen auf der Zunge. Wie genau die Lingua geographica entsteht, ist nicht geklärt. Sie tritt allerdings bei Patienten mit Psoriasis oder Neurodermitis gehäuft auf.

Studien aus China, wo die Zungendiagnostik auch in der Traditionellen Medizin (TCM) eine große Rolle spielt, haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass vor allem die Mikrobiota des Zungenbelags Hinweise auf weitere Systemerkrankungen liefern könnte. So konnten chinesische Wissenschaftler in einer Untersuchung beispielsweise zeigen, dass sich an der Bakterienbesiedlung der Zunge frühzeitig Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennen lässt.

Ähnliche Zusammenhänge fanden Forscher auch bei Darmkrebs. In einer 2020 veröffentlichten Studie konnten Mediziner außerdem anhand des Aussehens und der Bakterienflora der Zunge zwischen Menschen mit chronischer Herzschwäche und gesunden Menschen unterscheiden. Bislang handelt es sich allerdings um Ergebnisse kleinerer Studien mit recht wenigen Teilnehmern. Bevor entsprechende Verfahren in die Praxis einziehen könnten, sind weitere Untersuchungen nötig.

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