| Verena Schmidt |
| 27.01.2026 10:00 Uhr |
Vor einigen Jahren eine kleine Sensation: Ende 2020 kam in Singapur das erste im Labor gezüchtete Hühnchenfleisch auf den Markt. Inzwischen ist der Vertrieb von Laborfleisch in einer Handvoll weiteren Ländern erlaubt, beispielsweise in den USA und Australien. In der EU darf »Clean Meat« oder auch »Cultured Meat« aktuell nicht vertrieben werden, aber erste Anträge zur Marktzulassung als Novel Food sind bei der EFSA, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, in Bearbeitung.
Das kultivierte Fleisch wird im Labor aus gezüchteten Stammzellkulturen hergestellt. Einem Rind, Schwein oder Huhn wird dafür zunächst etwas Muskelgewebe entnommen. Daraus werden dann Stammzellen isoliert und in einem Nährmedium in einem Bioreaktor vermehrt. Die Zellen durchlaufen dabei verschiedene Stadien, bilden Muskelfasern und wachsen schließlich zu einer größeren, hackfleichähnlichen Masse zusammen. Auf ähnlichem Weg können auch Fettzellen gezüchtet werden; diese helfen dabei, dem Geschmack von echtem Fleisch näherzukommen.
Bisher ist die Produktion von Laborfleisch auf kleinere Mengen beschränkt, eine Massenproduktion noch nicht möglich. Start-ups und Forschende experimentieren derzeit außerdem, wie sich Struktur und Konsistenz von echtem Fleisch besser nachahmen lassen. Mithilfe von 3D-Druckern könnten beispielweise in Zukunft Steaks oder ganze Keulen erzeugt werden.
Da Laborfleisch bisher noch nicht in großen Mengen verzehrt wurde, gibt es kaum Daten zur gesundheitlichen Bewertung. Experten gehen davon aus, dass es wie echtes Fleisch auch biologisch hochwertiges Protein liefert. Auch die Verdaulichkeit wird vermutlich ähnlich gut wie bei herkömmlichem Fleisch sein. Langzeitwirkungen bei regelmäßigem Verzehr müssten jedoch noch genauer untersucht werden.
Vorteile sehen Experten in den im Vergleich besseren hygienischen Bedingungen bei der Erzeugung im Labor. Die Anzahl an Krankheiten, die von Tieren sowie durch den Verzehr von tierischen Lebensmitteln auf den Menschen übertragen werden, könnten zurückgehen. Da die Herstellung unter kontrollierten Bedingungen im Labor stattfindet, könnte der Einsatz von Antibiotika, die in der Tierhaltung recht häufig eingesetzt werden, reduziert und die steigende Zahl resistenter Krankheitserreger womöglich gesenkt werden.
Ob die Produktion von Laborfleisch in großen Mengen jedoch nachhaltig wäre, hängt unter anderem davon ab, welche Energiequellen eingesetzt werden. Aktuell verbraucht man für die kleinen Produktionsmengen noch sehr viel Energie. Die Verbraucherzentrale weist auch darauf hin, dass für die Herstellung von Laborfleisch aktuell meist fetales Kälberserum als Nährmedium genutzt wird – komplett ohne Tierleid kommt diese Art der Fleischerzeugung also nicht aus. Einige Unternehmen arbeiten hier jedoch an Alternativen, beispielsweise an Nährmedien auf Algenbasis.