Auch Scharlach wird von A-Streptokokken verursacht. Die ersten Krankheitszeichen ähneln meist denen einer banalen Pharyngitis und Tonsillitis. Ein bis zwei Tage später entwickelt sich meist ein charakteristischer Hautausschlag, der sich meist von Hals und Rücken aus auf den restlichen Körper ausbreitet. Handinnenflächen und Fußsohlen bleiben frei von den knotigen roten Flecken, ebenso das Mund-Kinn-Dreieck. Dazu kommt die typische, intensiv rote »Himbeerzunge« mit weißlichem Belag und vergrößerten Papillen (Geschmacksknospen).
Für die Haut- und Schleimhautsymptome bei Scharlach sind Toxine verantwortlich, die einige S.-pyogenes-Typen mithilfe von Bakteriophagen produzieren. Dabei handelt es sich um eine Art Viren, die nur Bakterien infizieren und ihnen dabei kleine Stücke Erbmaterial übertragen – in diesem Fall ein Gen für einen Eiweißstoff, der die Blutkapillaren schädigt. Die gebildeten Toxine wirken als sogenannte Superantigene, das heißt, sie können unspezifisch bis zu 100.000-mal mehr Immunzellen aktivieren als gewöhnliche antikörperbindende Antigene.
Sehr selten löst das eine unkontrolliert überschießende Immunreaktion aus, die in ein potenziell lebensbedrohliches »Streptokokken-induziertes toxisches Schock-Syndrom« (STSS) münden kann. Mögliche Anzeichen dafür sind plötzliches hohes Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall, Verwirrung und Atemnot. Ein solches Schocksyndrom muss umgehend intensivmedizinisch behandelt werden, um ein Organversagen zu vermeiden.
Nachdem eine Racheninfektion mit A-Streptokokken ohne Therapie überstanden ist, kann sich bei bis zu drei von 100 Kindern eine sehr schmerzhafte Gelenkentzündung entwickeln: das akute rheumatische Fieber. Ursache sind Antikörper gegen bakterielle Antigene, die sich gegen körpereigene Zellen richten – unter anderem auch in der Herzmuskulatur. Weitere mögliche immunologische Folgeerkrankungen nach einer A-Streptokokken-Infektion sind die akute Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen) und neurologisch bedingte Bewegungsstörungen.
Um die Gefahr von Komplikationen und Folgeerkrankungen zu verringern, ist es wichtig, eine Streptokokken-Infektion möglichst frühzeitig zu diagnostizieren. Bei einer Halsentzündung nimmt der Arzt oder die Ärztin dafür häufig einen Rachenabstrich, aus dem sich der Erreger nachweisen lässt. Seit einer Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung Anfang 2025 dürfen Apotheken immunologische Schnelltests auf A-Streptokokken auch an Laien abgeben (siehe Kasten). Bei einem positiven Testergebnis sollte der Patient auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Zur Behandlung verschreibt dieser in der Regel ein Antibiotikum – meist Penicillin, das bei S. pyogenes ebenso wie bei fast allen anderen Spezies zuverlässig wirksam ist.