Relativ häufig führt S. pyogenes darüber hinaus zu Hautinfektionen wie der ansteckenden Borkenflechte (Impetigo contagiosa). Sie tritt vor allem bei Kleinkindern auf. Der pustelige Ausschlag beginnt in der Regel rund um Mund und Nase und verkrustet rasch. Auch das Erysipel, eine schmerzhafte, nicht eitrige Hauterkrankung von Erwachsenen, wird meist durch S. pyogenes verursacht. Als Eintrittspforte nutzt das Bakterium zum Beispiel kleine Verletzungen, Insektenstiche oder chronische Geschwüre.
Selten, aber sehr gefährlich ist eine Weichteilinfektion durch toxinbildende A-Streptokokken: Die nekrotisierende Fasziitis schreitet sehr schnell voran und lässt das Gewebe absterben. Oft hilft nur eine großflächige operative Entfernung des Entzündungsherds. Breiten sich die Bakterien weiter im Körper aus, droht eine Blutvergiftung (Sepsis) und/oder ein Multiorganversagen.
Ebenfalls zu den beta-hämolysierenden Streptokokken zählt S. agalactiae. Diese Art bezeichnen Mediziner auch als B-Streptokokken. Sie finden sich bei vielen Menschen auf Haut und Schleimhäuten, vor allem im Urogenitaltrakt – können aber bei älteren und immungeschwächten Personen einen Harnwegsinfekt, eine Wundinfektion oder sogar eine Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen. Gefürchtet sind sie vor allem in der Geburtshilfe: B-Streptokokken können bei der Entbindung von einer asymptomatischen Trägerin auf das Kind übergehen und eine Neugeborenen-Sepsis verursachen. Betroffen ist etwa eines von 1000 Neugeborenen. Mögliche Symptome sind Atemnot, Krämpfe, Apathie und eine bläuliche Hautverfärbung.
Wird die Blutvergiftung zu spät erkannt und behandelt, sterben bis zu 50 Prozent der betroffenen Babys.
In früheren Zeiten und unter schlechten Hygienebedingungen spielten B- und A-Streptokokken außerdem eine Rolle als Verursacher des Kindbettfiebers. Bis ins 19. Jahrhundert war es eine der häufigsten Todesursachen von Wöchnerinnen. Heute kommt es zum Glück nur noch sehr selten vor.
Auch Pneumokokken (eingedeutschte Bezeichnung für die Spezies S. pneumoniae) verursachen bei den meisten Menschen keine Symptome. Nach Schätzungen der ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) besiedeln sie bei 20 bis 40 Prozent der Kinder und 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen völlig unbemerkt den Nasen-Rachen-Raum. Übertragen werden sie durch Tröpfcheninfektion, also etwa beim Niesen oder Husten. Unter bestimmten Umständen können Pneumokokken aber so schwerwiegende Erkrankungen wie eine Lungen- oder Hirnhautentzündung hervorrufen. In Deutschland sterben Schätzungen zufolge daran jedes Jahr über 5000 Menschen.
Ob Pneumokokken zum Krankheitserreger werden oder nicht, hängt maßgeblich von der Dicke ihrer Schleimkapsel ab, die sie vor dem Angriff des Immunsystems schützt. Darüber hinaus spielt die Fitness der Abwehrkräfte ihres Wirts eine wichtige Rolle. Besonders gefährdet sind daher kleine Kinder und ältere Erwachsene, deren Immunsystem noch nicht oder nicht mehr seine volle Leistungsstärke besitzt. Aber auch bei Vorerkrankungen wie Diabetes, Asthma oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) steigt das Erkrankungsrisiko.
Nach positivem Schnelltest und ohne Besserung nach mehreren Tagen sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. / © Adobe Stock/Agenturfotografin
Experten gehen davon aus, dass die Hälfte aller ambulant erworbenen Pneumonien durch Pneumokokken verursacht werden. Meist beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber und Husten mit manchmal blutigem Auswurf. Bleiben die Erreger auf die oberen Atemwege beschränkt, können sie beispielsweise eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung (Otitis media oder Sinusitis) auslösen. Besonders gefährlich sind sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankungen, bei denen Pneumokokken in das Blut oder den Liquor (Gehirnflüssigkeit) vordringen. Sie können eine lebensbedrohliche Sepsis oder Meningitis verursachen.
Alarmzeichen sind beispielsweise hohes Fieber, plötzliche Verwirrtheit, Atemnot, extremes Krankheitsgefühl oder die typische Nackensteife und Kopfschmerzen bei Hirnhautentzündung. Invasive Pneumokokken-Erkrankungen sind in Deutschland seit 2020 meldepflichtig. Nach dem Ende der Coronapandemie verzeichneten die Register in Deutschland und anderen europäischen Staaten besonders bei Kindern einen anhaltenden Anstieg. Experten vermuten, dass daran ein Trainingsrückstand des Immunsystems schuld sein könnte: Durch die Schutzmaßnahmen während der Pandemie kamen viele Menschen nicht in Kontakt mit Pneumokokken und konnten deshalb keinen Schutz aufbauen.
Unbehandelte Streptokokken-Infektionen sind hochansteckend. Die Erreger werden meist durch Tröpfcheninfektion, also Husten, Niesen oder Sprechen, übertragen. Auch durch direkten Kontakt, zum Beispiel mit einer infizierten Wunde, kann man sich anstecken. Die Inkubationszeit beträgt je nach Erreger und Krankheitsbild meist ein bis vier Tage.
Wichtigste Maßnahme, um eine Ausbreitung der Keime zu vermeiden, ist konsequente Handhygiene – sowohl beim Erkrankten selbst als auch bei Kontaktpersonen. Pflegende können sich zusätzlich durch eine FFP2-Maske schützen. Insbesondere zu älteren Menschen, Säuglingen und Immungeschwächten sollten Infizierte und Kontaktpersonen Abstand halten.
Unter antibiotischer Therapie gilt ein Patient in der Regel 24 Stunden nach Therapiebeginn als nicht mehr ansteckend – ein wichtiger Beratungspunkt in der Apotheke. Die Therapiedauer beträgt in der Regel sieben bis zehn Tage und sollte konsequent eingehalten werden, auch wenn die Symptome frühzeitig abklingen. Das fördert nicht nur die Ausheilung, sondern hilft auch, Spätkomplikationen zu vermeiden.