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Raffinierte Streptokokken
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Bakterien von harmlos bis lebensgefährlich

Streptokokken sind Meister der Vielfalt. Sie besiedeln völlig unbemerkt Haut und Schleimhäute. Gleichzeitig gehen zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen auf ihr Konto – etwa Lungenentzündungen, Scharlach oder Blutvergiftung. Ihre Superpower: eine Vielzahl von Strategien, das Immunsystem zu umgehen oder für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.
AutorKontaktClaudia Wildenrath
Datum 06.02.2026  16:00 Uhr

Impfung schützt

Anders als gegen andere Streptokokken-Arten stehen gegen S. pneumoniae wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Sie enthalten bis zu 23 verschiedene Antigene, die sich gegen eine breite Front virulenter Serotypen richten. Die STIKO (Ständige Impfkommission im Robert Koch-Institut) empfiehlt die Impfung für alle Säuglinge bis 24 Monate, Menschen ab 60 Jahren sowie unabhängig vom Alter allen Personen mit Risikofaktoren wie Immundefekten oder chronischen Erkrankungen. Für die Grundimmunisierung bei Kindern sind laut STIKO drei Impfungen erforderlich; bei Senioren reicht je nach verwendetem Impfstoff oft eine Spritze.

Wie die meisten anderen Streptokokken spricht auch S. pneumoniae gut auf eine Penicillin-Behandlung an. Resistenzen kommen in Deutschland bisher selten vor. In anderen europäischen Ländern, etwa Spanien und Frankreich sowie in den USA, werden sie jedoch zunehmend zum Problem. Multiresistente Stämme reagieren oft auch nicht mehr ausreichend auf andere Antibiotika wie Cephalosporine oder Erythromycin. Um nicht weiteren Resistenzentwicklungen Vorschub zu leisten, ist es wichtig, die verordneten Antibiotika genau entsprechend den ärztlichen Anweisungen zu nehmen.

Karius und Baktus

Zur Gruppe der Viridans-Streptokokken gehören mehrere Arten, die ähnlich wie Pneumokokken beim Wachstum auf Blutagar grüne Höfe bilden (lat. viridans: grünend). Die meisten sind Bestandteil des normalen Mund- und Rachen-Mikrobioms. Ihr bekanntester Vertreter ist S. mutans, der Hauptverursacher von Karies. Fast jedes Kind hat schon einmal von ihm gehört: Populär wurde er in den 1950er-Jahren durch die Zahntrolle Karius und Baktus aus dem gleichnamigen Kinderbuch.

Diese Bakterien wandeln den in der Nahrung enthaltenen Zucker in Milchsäure um, die den Zahnschmelz angreift. Außerdem produzieren sie Schleimstoffe, die sich an den Zähnen anheften und einen Biofilm (Plaque) bilden. Das erleichtert nicht nur ihnen selbst, sondern auch anderen säurebildenden Bakterien das Wachstum. Auch bei Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Parodontitis (Entzündungen des Zahnhalteapparats) spielen sie eine Rolle. Bremsen lässt sich ihre Vermehrung durch regelmäßiges gründliches Zähneputzen und eine möglichst zuckerarme Ernährung.

Gefährlich können Mutans-Streptokokken werden, wenn sie in die Blutbahn gelangen. Das kann zum Beispiel bei einer Zahnoperation passieren. Manchmal schaffen sie es dann, sich an den Herzklappen anzusiedeln – vor allem, wenn diese bereits geschädigt sind. Im Verlauf von mehreren Wochen oder Monaten kann sich daraus eine Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) entwickeln. Sie macht sich meist durch unspezifische, allmählich zunehmende Symptome wie Fieber und Schwächegefühl bemerkbar; beim Abhören fallen dem Arzt Herzgeräusche auf. Bei mehr als der Hälfte der Endokarditis-Patienten sind Viridans-Streptokokken die Ursache der Erkrankung. Wie die meisten Streptokokken lassen auch sie sich durch Penicillin gut bekämpfen.

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