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Die Frühlingsgefühle der Allergiker
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Beratung von Heuschnupfen-Patienten

Heiter und gelöst angesichts des erwachenden Frühlings? Mitnichten! Die Frühlingsgefühle der Pollenallergiker äußern sich eher in tränenden Augen, verstopfter Nase und Kratzen im Hals. Wie PTA und Apotheker Betroffene kompetent beraten, erklärt Professor Dr. Wolfgang Petro, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und Allergologe aus Bad Reichenhall.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 27.02.2020  13:00 Uhr

Einnahme nach Bedarf

Bei leichteren bis mäßigeren Beschwerden, die immer mal wieder auftreten, gelten die lokale und die systemische Applikation von Antihistaminika als vergleichbar wirksam. »Die systemische Gabe ist sinnvoll, wenn sich die Beschwerden an mehreren Organen bemerkbar machen oder wenn zusätzlich eine allgemeine Erschöpfung und Schlafstörungen hinzukommen«, erklärt der Fachmann. Im Gegensatz zu den nasalen Steroiden können Antihistaminika nach Bedarf eingenommen werden, und das auch über mehrere Tage und Wochen hinweg, um das allergische Geschehen abklingen zu lassen.

Unter den oralen Antihistaminika haben solche der zweiten Generation die größte Bedeutung. Cetirizin (wie Reactine®, Zyrtec® und Generika), Loratadin (wie Lorano® und Generika) und das seit vergangenem Frühjahr ohne Rezept erhältliche Levocetirizin (wie Levocetirizin Ratiopharm®/Stada®) teilen derzeit den Selbstmedikationsmarkt unter sich auf. Desloratadin, das wirksame Enantiomer von Loratadin, steht unmittelbar vor dem OTC-Switch. Im Vergleich zu ihren Vorgängern der ersten Generation wirken die vier Arzneistoffe der zweiten Generation selektiver mit deutlich reduzierten anticholinergen (Mundtrockenheit) und zentralen (Müdigkeit) Nebenwirkungen. Abhängig von der Darreichungsform sind Cetirizin und Loratadin zum Teil bereits für Kleinkinder ab einem Jahr zugelassen.

Stehen Beschwerden an Nase und Augen im Vordergrund, sollten PTA und Apotheker zu lokalen Arzneiformen der Antihistaminika raten. Sie bieten den Vorteil, dass der Wirkstoff durch die lokale Applikation fast gar nicht in den Blutkreislauf gelangt und deshalb kaum Nebenwirkungen hat. Azelastin (wie Allergodil®, Pollival® ohne Konservierungsmittel, Vividrin® akut) und Levocabastin (Livocab® direkt) werden dann als Nasenspray oder Augentropfen zweimal am Tag angewendet und wirken innerhalb von 15 Minuten. Ketotifen (wie Allergo-Vision®, Zaditen® ophtha) gibt es nur als Augentropfen. Die Wirkung soll sehr schnell innerhalb von drei Minuten einsetzen und bis zu zwölf Stunden anhalten. Es ist für Kinder ab drei Jahren verfügbar.

Zubereitungen mit Levocabastin sind für Kinder ab einem Jahr zugelassen, der Einsatz dieser Substanz ist nicht begrenzt. Azelastin ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet, seine Anwendung ist auf sechs Wochen begrenzt. Im Beratungsgespräch sollte das pharmazeutische Personal darauf hinweisen, dass bei der Anwendung von Azelastin-Nasenspray mitunter ein bitterer Nachgeschmack auftreten kann. Als Suspension müssen Levocabastin-haltige Zubereitungen vor Gebrauch aufgeschüttelt werden.

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