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Von Herstellung bis Abgabe
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Biologika in der Apotheke

Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel haben die Therapie chronisch-entzündlicher Erkrankungen und vieler Krebserkrankungen grundlegend verändert. Sie sind konventionellen Medikamenten in vielen Indikationen hinsichtlich Krankheitskontrolle und Remissionsraten überlegen. Frei von Risiken und Nebenwirkungen sind sie jedoch nicht.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 23.01.2026  16:00 Uhr

Verbesserte Prognose

Bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind seit vielen Jahren TNF-Blocker wie Infliximab oder Adalimumab zugelassen. Diese reduzieren die Entzündungsaktivität, fördern die Schleimhautheilung und verlängern Remissionsphasen. Der Integrin-Antagonist Vedolizumab hemmt die Adhäsion von T-Zellen auf Darm-Endothelzellen und wirkt so den Entzündungsprozessen entgegen. Ustekinumab bindet an IL-12 und IL-23 und verhindert so deren Bindung an den Zielrezeptor auf naiven T-Zellen. So wird die Entzündung unterbrochen. In der Praxis kann eine frühe Biologika-Behandlung Krankenhausaufenthalte, Fisteln oder Stenosen reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Häufig ist die Kombination mit Azathioprin oder Methotrexat sinnvoll.

Biologika erweitern das Behandlungsspektrum für viele chronisch-entzündliche Erkrankungen. Sie ermöglichen eine effektive »Treat-to-Target«-Strategie, bei der eine komplette Remission angestrebt wird, was mit herkömmlichen Mitteln kaum möglich wäre. Auch in der Onkologie verbessern sie die Prognose. Checkpoint-Inhibitoren lösen die Bremsen des Immunsystems und haben unter anderem bei fortgeschrittenem Melanom und Nierenzellkarzinom die Überlebensperspektiven verbessert. CAR-T-Zelltherapien basieren auf autologen, gentechnisch veränderten T-Zellen, die Tumorzellen gezielt erkennen und bei bestimmten hämatologischen Neoplasien kurativ wirken können. Monoklonale Antikörper ergänzen die Standardtherapien, indem sie zum Beispiel Wachstumsfaktoren blockieren.

Gabe nur parenteral

Biologika werden ausschließlich parenteral verabreicht, in Kliniken meist als intravenöse Infusion oder zu Hause per Fertigspritze/Fertiginjektor zur subkutanen Injektion. Orale Darreichungsformen gibt es nicht, da die Wirkstoffe als Proteine im Magen zerstört würden. Die Verträglichkeit moderner Biologika wird insgesamt als sehr gut bewertet. Da die Medikamente jedoch in das Immunsystem eingreifen, ist das Infektionsrisiko erhöht. Latente Infektionen können reaktiviert werden. Da Biologika Fremdeiweiße sind, bildet der Körper manchmal Antikörper gegen sie. Solche Anti-Drug-Antikörper (ADA) können die Wirksamkeit der Therapie mindern und bei manchen Patienten ein sekundäres Therapieversagen verursachen.

Außerdem sind sogenannte Infusions- oder Injektionsreaktionen bekannt. So entwickeln einige wenige Patienten akute Reaktionen während oder kurz nach der Infusion eines Biologikums. Diese reichen von Kopfweh und Fieber bis zu Atemnot und Hautausschlag. Sie treten häufiger beim ersten Einsatz auf und sind meist gut behandelbar. Lokale Reizungen an Injektionsstellen (Rötung, Schwellung) sind unter subkutanen Präparaten häufig, aber meist nur leicht ausgeprägt. Insgesamt gilt: Die Immun- und Infektionsrisiken sind der Preis für die hohe Wirksamkeit von Biologika. Mit Maßnahmen wie Screenings, Prophylaxen und engmaschigem Monitoring bleiben sie jedoch in der Regel beherrschbar.

Weil moderne Biologika erst seit gut 20 Jahren breit eingesetzt werden, laufen noch Langzeitbeobachtungsstudien. Bisher gibt es keinen schlüssigen Hinweis auf ein allgemein erhöhtes Krebsrisiko durch die Arzneimittel. Die aktuelle Studienlage deutet eher darauf hin, dass ein Teil der Biologika langfristig nicht mehr Nebenwirkungen verursacht als eine unkontrollierte Entzündung. Dennoch sollte die Therapie nur so lange wie nötig eingesetzt werden.

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