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Intelligentes Geflecht
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Das Bauchgefühl in der Wissenschaft

Entscheidungen zu treffen, ist nicht immer leicht. Neben rationalen Argumenten will auch das Bauchgefühl gehört werden. Es entsteht schnell, unbewusst und basiert im Wesentlichen auf gespeicherten Erfahrungen. Wie und wo die dafür notwendigen Prozesse im Einzelnen ablaufen, welche Hirnareale eingebunden sind und ob vielleicht auch das »Bauchhirn« eine Rolle spielt, ist bisher noch nicht vollständig verstanden.
AutorKontaktCarina Steyer
Datum 25.11.2022  15:00 Uhr

Nicht immer eine Einheit

Der vorherrschenden Meinung nach gilt: Das Bauchgefühl ist schnell, effizient, unbewusst und unbeabsichtigt. Rationales Denken hingegen langsam, weniger effizient, bewusst und gewollt. Lange wurden sie deshalb als zwei getrennte Prozesse betrachtet, zwischen denen man am Ende eine Entscheidung treffen muss. Inzwischen mehren sich jedoch die Stimmen, dass Bauchgefühl und bewusstes Denken parallel ablaufen und miteinander interagieren. Einen Beweis dafür, dass es klare Verknüpfungen gibt, sehen die Psychologen David E. Melnikoff und John A. Bargh von der Yale University, Connecticut, USA, zum Beispiel beim Schreiben auf einer Tastatur. Wer regelmäßig schreibt, muss die Tasten nicht suchen. Die Finger finden sie von selbst, allerdings in einer geplanten und absichtlichen Abfolge, so dass ein sinnvoller Text entsteht.

Ebenfalls nicht so ganz klar ist aus psychologischer Sicht, dass das Bauchgefühl tatsächlich in den Bauch gehört. Es soll durchaus Menschen geben, die es in anderen Körperteilen wie der Brust oder Schulter wahrnehmen können. Für viele Neurogastroenterologen ist die Frage der Lokalisation hingegen eindeutig. Sie vermuten, dass neben dem Gehirn, das enterische Nervensystem und damit eindeutig der Bauch eine Rolle bei intuitiven Entscheidungen spielt.

Das enterische Nervensystem, umgangssprachlich häufig als »Bauchhirn« bezeichnet, bildet die größte Ansammlung von Nervenzellen außerhalb des zentralen Nervensystems. Es umfasst mehr als 100 Millionen Nervenzellen, die als netzartige Struktur den gesamten Verdauungstrakt, von der Speiseröhre über den Magen, den Dünn- und Dickdarm bis hin zum Enddarm umziehen. Das enterische Nervensystem arbeitet selbstständig und unabhängig vom Gehirn. Es steuert und koordiniert das komplexe und fein abgestimmte Zusammenspiel der Schleimhautdrüsen, Verdauungsdrüsen und Muskulatur des Magen-Darm-Trakts, die für die Verdauungsvorgänge vom Schlucken bis zur Stuhlentleerung notwendig sind.

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