Eine artifizielle Störung kann viele Gesichter haben. Oft ergibt sich ein Verdacht laut Häfner erst aus vielen kleinen Auffälligkeiten:
Um Hilfe annehmen zu können, müssten Erkrankte aber erst erkennen, dass hinter den Beschwerden ein psychisches Problem steckt. »Erst wenn Betroffene ihr Verhalten zumindest ansatzweise erkennen, kann sich etwas verändern«, erklärt Häfner.
Nur dann bestehe die Chance zugrunde liegende Belastungen therapeutisch aufzuarbeiten. Als hilfreich gelten dafür etwa eine kognitive Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologische Ansätze. Ziel sei es laut Häfner, einen anderen Umgang mit dem Bedürfnis nach Nähe zu finden.
Wer in seinem Umfeld eine artifizielle Störung vermutet, braucht Geduld. Denn Erkrankte können dazu neigen, bei Zweifeln an ihren Krankheitsgeschichten den Kontakt abzubrechen.
»Angehörige sollten anhand von konkreten Beobachtungen das Thema vorsichtig — gegebenenfalls auch mehrfach — ansprechen«, rät Facharzt Steffen Häfner. Dabei nicht wertend oder mit Vorwürfen reagieren, »sondern empathisch und verständnisvoll.« Da jeder Fall anders ist, spricht man das genaue Vorgehen am besten mit einem Arzt oder Psychotherapeuten ab.
Häfner rät dazu: Gemeinsam einen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie zu vereinbaren, um Verbindlichkeit herzustellen. Alternativ könne man sich auch an die psychosomatische Ambulanz eines Krankenhauses wenden. Wichtig sei, dass man sicherstellt, dass der Termin auch wahrgenommen wird.
Experten in seiner Nähe findet man etwa über die Telefonnummer 116 117 sowie auf der Internetseite www.116117.de — der Informationsplattform der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zum ärztlichen Bereitschaftsdienst in Deutschland.