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Aktualisierte Leitlinie
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Diagnose und Therapie von Endometriose

Die Leitlinie zur Endometriose ist aktualisiert worden. Damit wollen die Experten den Weg zur Diagnose und zur passenden Therapie deutlich verkürzen. Neben den klassischen Behandlungsformen rückt jetzt auch ein ganzheitlicher, multimodaler Ansatz stärker in den Mittelpunkt.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 24.11.2025  12:00 Uhr

Individuelle Therapie

Für viele Frauen ist es schon eine große Erleichterung, endlich zu wissen, woher ihre teils unerträglichen Schmerzen kommen. Doch was passiert nach der Diagnose? Muss sofort operiert werden? Nicht unbedingt. Die neue Leitlinie betont, dass es keinen festen Therapieplan gibt. Stattdessen soll die Behandlung individuell auf die Patientin abgestimmt werden, und zwar je nach Symptomen, Schmerzintensität, Kinderwunsch und dem Risiko für Organschäden.

Die Basis bildet meist eine medikamentöse Therapie. Mittel der ersten Wahl sind in der Hormontherapie Gestagene wie Dienogest oder – nach gesicherter Diagnose – GnRH-Antagonisten in Kombination mit einer sogenannten Add-back-Therapie (siehe Kasten). Weitere Optionen wie kombinierte orale Kontrazeptiva, andere Gestagene oder GnRH-Agonisten gelten als Zweitlinientherapie.

In bestimmten Fällen ist eine Operation jedoch unumgänglich, etwa bei Darmbeteiligung oder wenn ein Kinderwunsch besteht.

Schmerz als Leitsymptom

Starke Schmerzen sind für viele Frauen das Hauptsymptom. Anfangs treten sie meist zyklusabhängig auf, können aber im Verlauf auch dauerhaft und unabhängig von der Menstruation bestehen sowie chronisch werden.

Die Leitlinie unterscheidet erstmals zwischen verschiedenen Schmerzmechanismen:

  • Nozizeptiver Schmerz: entsteht durch Gewebeschädigung, vermittelt über Schmerzrezeptoren.
  • Neuropathischer Schmerz: entsteht durch Schädigung des Nervensystems, etwa durch das Einsprossen von Nervenfasern in Endometrioseläsionen.
  • Noziplastischer Schmerz: beruht auf veränderter Schmerzwahrnehmung ohne klaren Gewebeschaden – etwa bei anhaltenden Unterbauchschmerzen trotz Therapie.

Diese Differenzierung ist bedeutend, da es je nach Schmerztyp unterschiedliche Behandlungsansätze braucht.

Bei akuten Schmerzen – vor allem nozizeptiven – empfiehlt die Leitlinie zunächst nicht steroidale

Antiphlogistika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Auch Paracetamol kann eingesetzt werden.

Bei chronischen Verläufen kommen andere Wirkstoffklassen infrage, darunter trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, Metamizol, Paracetamol, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, cannabisbasierte Präparate sowie Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin. Opioide sollen nur in Ausnahmefällen und unter strenger Indikationsstellung verordnet werden.

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