Fisch spielt in der nordischen Ernährung – wie hier beim Midsommar-Festessen – traditionell eine große Rolle. / © Getty Images/knape
Wer sich nach der »Nordic Diet«, der nordischen Diät ernährt, isst (fast) wie früher bei Oma: Roggen, Hafer, Äpfel, Birnen, Beeren, Wurzelgemüse, Samen. Auch Lachs, Hering und Wild darf es sein. Als Fettsäure-Lieferant dient jedoch keine tierische Quelle wie Schweineschmalz und Butter, sondern pflanzliches Rapsöl. Der Fokus liegt also klar auf regionalen, heimischen Produkten.
Den Startschuss zur Entwicklung der Nordischen Diät habe die Sieben-Länder-Studie gegeben, wie Dr. Daniela Oltersdorf, Ernährungsmedizinerin und Autorin des Buches »Nordic Diet – Die Heilkraft der nordischen Ernährung nutzen« (siehe Kasten), gegenüber PTA-Forum berichtet. Ab 1958 wurden die Essgewohnheiten von 13.000 Männern aus den USA, Finnland, den Niederlanden, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, Griechenland und Japan für 15 Jahre beobachtet.
Das Ergebnis: In Nordeuropa starben dreimal so viele Männer an koronaren Herzerkrankungen (KHK) wie Männer aus den Mittelmeerländern. Die finnische Region Nordkarelien zeigte dabei die höchste Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen; die Männer starben hier deutlich früher als anderswo. Die Forscher fanden heraus, dass der Hauptunterschied in der Zusammensetzung der Nahrungsfette lag, die die Studienteilnehmer aßen – vor allem mehrfach ungesättigte Fettsäuren in den Mittelmeerländern, dagegen hauptsächlich gesättigte Fettsäuren in den nordischen Ländern.

In ihrem Ratgeber »Medical Cooking: Nordic Diet« stellt die Ernährungsmedizinerin Dr. Daniela Oltersdorf die Nordische Diät, die einzelnen Lebensmittel mit ihren gesundheitsfördernden Nährstoffen und die Studienlage detailliert vor. Mehr als 100 Rezeptideen sorgen für Abwechslung am gesunden nordischen Essenstisch. »Je einfacher das Gericht, desto besser. Wer clever vorkocht, spart Zubereitungszeit.« Beispiel Kartoffeln: In großen Mengen gekocht, dienen sie am ersten Tag als Beilage und kehren am zweiten Tag als Bratkartoffeln und am dritten als Schupfnudeln auf den Teller zurück.
Das Ergebnis weckte die finnische Politik auf, die daraufhin unter anderem das Nordkarelien-Projekt ins Leben rief. Die Bevölkerung erhielt nun verstärkt Aufklärung in puncto gesündere Lebensweise: ungesättigte Fette statt gesättigte Fette (vor allem Rapsöl statt Butter), mehr Gemüse, weniger Salz und Tabak. Mit Erfolg: Innerhalb von 40 Jahren nahm die Inzidenz und damit verbundene Sterberate bei Männern um 82 Prozent und bei Frauen um 84 Prozent ab. Der Serumcholesterolspiegel der Nordkarelier sank zwischen 1972 und 2012 um 20 Prozent. Das erfolgreiche Projekt war ab 1977 landesweit aktiv und ließ die Lebenserwartung um ganze zehn Jahre steigen. Ein anderes Projekt klärte die Bevölkerung verstärkt über den Zusammenhang von Salzkonsum und erhöhtem Blutdruck auf. Die Industrie reduzierte den Salzanteil in Lebensmitteln und ersetzte Natrium durch Kalium. Der mittlere systolische Blutdruck senkte sich von 149 auf 134 bei Männern und von 153 auf 127 bei Frauen. »Ein Drittel aller Todesfälle weltweit geht auf das Konto von kardiovaskulären Erkrankungen«, erklärt Oltersdorf. Häufig seien sie assoziiert mit einer ungesunden Lebensweise inklusive schlechter Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum. »Das Nordkarelien-Projekt zeigt eindrücklich, dass die Ernährung einen sehr großen Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Und es belegt die gesundheitlichen Vorteile der traditionellen mediterranen Ernährung jenseits von Fastfood und hochverarbeiteten Lebensmitteln.«