Oltersdorf sieht die Umsetzung der Nordischen Diät entspannt: »Keiner hält hunderprozentig durch. Das ist auch nicht nötig. Schon eine 80-prozentige adäquate Ernährungsweise mit kleinem Aufwand bewirkt viel: Zum Beispiel Magerquark mit Beeren als Snack vor dem Computer an Arbeitstagen, dafür am Wochenende das Tiramisu mit Genuss essen. Viele Gerichte lassen sich schon mit einem Esslöffel Rapsöl aufwerten.«
Die Ernährungsmedizinerin ist beeindruckt vom Engangement der finnischen Politik für gesunde Ernährung. Dasselbe wünscht sie sich auch hierzulande. Denn besonders Kinder und alte Menschen seien darauf angewiesen, dass andere ihnen gesundes Essen anbieten. So sollte etwa der Zugang zu gesundheitsförderndem Essen auch für Menschen im Pflegeheim gewährleistet sein. »Selbst mit schlechtem Gebiss sind mit Rapsöl angereicherter Magerquark, ein Käsebrot oder Eier als natürliche Eiweißquellen gut essbar.«
Die Nordic Nutrition Recommendations (NNR) sind wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen für die nordischen Länder. Sie werden vom Nordic Council of Ministers, einem Zusammenschluss von Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden, herausgegeben. Die Empfehlungen wurden zuletzt 2023 aktualisiert. Die NNR fassen wie die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) den aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft zusammen und geben evidenzbasierte Empfehlungen etwa für bessere Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität und nachhaltige Ernährung und Umweltaspekte. Sie gelten als eine der derzeit umfassendsten evidenzbasierten Ernährungsempfehlungen weltweit.
Die Empfehlungen von NNR und DGE ähneln sich recht stark, im Vergleich legen die NNR einen noch größeren Wert auf Nachhaltigkeit und berücksichtigen neben gesundheitlichen auch ökologische Auswirkungen der Ernährung. Fisch spielt bei den NNR eine größere Rolle: es werden 300 bis 450 g Fisch pro Woche empfohlen, die DGE empfiehlt ein bis zwei Portionen pro Woche.