Jedoch misslang es in Finnland, sämtliche gesundheitsfördernde Lebensmittel aus dem Mittelmeerraum der Bevölkerung dauerhaft schmackhaft zu machen. Die Geschmäcker waren zu verschieden, das regionale Angebot an Obst und Gemüse zu unterschiedlich, der Import aus dem Süden teils teuer. Nordische Lebensmittel mussten also identifiziert werden, die die gleichen gesundheitsfördernden Wirkungen haben wie jene aus der traditionellen mediterranen Küche.
Dieser Aufgabe nahmen sich die Forscher Elling Bere aus Norwegen und Johannes Brug aus den Niederlanden vor rund 20 Jahren an. Sie teilten Lebensmittel in Gruppen ein und wählten nordische Pendants zum jeweiligen mediterranen Lebensmittel aus. Sie wählten dabeit vor allem traditionelle und häufig verzehrte nordische Lebensmittel, die in nordischen Ländern angebaut werden, ohne externe Energiequellen wie Gewächshäuser zu nutzen. Das gesundheitsfördernde Potenzial sollte dabei höher sein als ähnliche Produkte derselben Gruppe und das Lebensmittel sollte in großen Mengen essbar sein, nicht nur in kleinen wie etwa Gewürze.
Oltersdorf: »Bere und Brug betonten, dass sich nicht jeder nach der Mittelmeerdiät ernähren muss, um gesund zu essen. Für angemessener hielten sie es, regional angepasste gesunde Ernährungsformen weltweit zu fördern. Das erhält die Ernährungsvielfalt, den kulturellen Reichtum und ist auch gut für die Umwelt, weil lange Transportstrecken entfallen.« So bilden die nordischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden eine geografische und kulturelle Region in Nordeuropa und im Nordatlantik. Bezüglich der Essgewohnheiten seien auch viele Menschen in Deutschland näher bei den Europäern im hohen Norden als bei den Südeuropäern.
Zu den Lebensmittelgruppen der »Healthy Nordic Diet« nach Bere und Brug zählen also heimische Beeren, am besten wild wachsende wie Heidelbeeren und Preiselbeeren. Studien zufolge können sie geringgradigen Entzündungen entgegenwirken und den Glucosestoffwechsel nach Mahlzeiten positiv beeinflussen. Ein Tipp: Die Organisation Mundraub etwa informiert auf ihrer Website über wild wachsende Früchte in Deutschland, die für den Eigenbedarf gepflückt werden dürfen.
Das bevorzugte Öl der Nordischen Diät ist Rapsöl, weil es regional gewonnen werden kann, wie Olivenöl mehrfach und einfach ungesättigte Fettsäuren und kaltgepresst viele bioaktive Substanzen enthält, darunter Phenole, Tocopherole, Phytosterine und Carotinoide. Als Obst werden statt Südfrüchten Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Sauerkirschen gegessen. Typische Gemüsesorten sind Wurzelgemüse und Kohl. An Nüssen, Samen und Kernen stehen Hasel- und Walnüsse, Kürbiskerne sowie Leinsamen zur Auswahl.
Getreideprodukte und Mehle basieren auf Roggen, Hafer und Gerste, möglichst als Vollkorn-Varianten. Brote werden in der traditionellen Sauerteigvariante bevorzugt. Typisch sind auch Kuhmilch und deren Produkte wie Hartkäse, Skyr und Frischkäse, bevorzugt jeweils als fettarme Variante. Als Fleisch stehen vor allem Wild wie Elch, Hirsch, Reh, Wildschwein oder Hase und Weiderind auf dem Speiseplan, aber auch Bio-Hähnchen und Pute. An Meerestieren isst man (Wild-)Lachs, Makrele, Heringe, Aale, Skrei, Forelle und Krabben.
»Die mediterrane und die neue nordische Ernährung haben viele Gemeinsamkeiten wie die Wahl der jeweils regionalen Produkte und der Fokus auf pflanzliche Herkunft. Der Hauptunterschied ist die primäre Fettquelle«, fasst Oltersdorf zusammen. Auch wichtig: Der Ausdruck »Nordische Diät« meine keine Kalorienreduktion, sondern eine bestimmte Ernährungsweise mit empfohlenen Lebensmitteln, die die Gesundheit fördern sollen.
| Nordische Diät | Mediterrane Ernährung |
|---|---|
| Rapsöl | Olivenöl |
| Lokales Gemüse wie Kohl und Wurzelgemüse, Hülsenfrüchte, Pilze | Gemüse, Hülsenfrüchte |
| Vollkorn-Roggen, Hafer, Gerste | Vollkornweizen |
| Beeren, v.a. wild wachsende Sorten, heimisches Obst wie Äpfel und Birnen | Obst |
| Nüsse | Nüsse |
| Süßwasserfisch und Meeresfisch | Fisch und Meeresfrüchte |
| Wild, fettarmes Fleisch und Geflügel in Maßen | Fleich, Geflügel in Maßen |
| Keine Empfehlung oder Pendant | Wein in Maßen |
| Fettarme Milchprodukte und Käse | Käse |
Diese neue Nordische Ernährungsweise gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Entsprechend jung ist die Forschung hierzu. Studien aus nordischen Ländern zeigen die gesundheitliche Überlegenheit der Nordic Diet etwa gegenüber der nordischen Durchschnittsernährung (SYSDIET-Studie) oder ein vermindertes kardiovaskuläres Krankheitsrisiko bei Frauen durch die Nordic Diet (schwedische Women's Lifestyle and Health-Kohortenstudie). In der dänischen OPUS-Schulspeisungsstudie zeigten Kinder eine verbesserte Gesamtaufnahme von Nährstoffen, wenn sie sich gemäß den Empfehlungen zur nordischen Ernährung (NNR, siehe Kasten) ernährten.