| Juliane Brüggen |
| 07.10.2026 14:00 Uhr |
Die Apothekengewerkschaft lehnt das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite ab. / © Adobe Stock/Marco2811
Laut Adexa verhandeln die beiden Seiten seit April über einen neuen Gehaltstarifvertrag in Nordrhein. Das letzte Angebot der Arbeitgeberseite, der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL), beinhaltet demnach folgende monatliche Erhöhungsbeträge:
Dieses Angebot habe die Adexa-Tarifkommission nach einer Prüfung abgelehnt und die Gründe schriftlich mitgeteilt, schreibt Andreas May, Bundesvorstand, in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Doch eine Antwort erhielt sie offenbar nicht. Die TGL habe das Angebot stattdessen als Empfehlung an ihre Mitgliedsapotheken weitergegeben – mit einer Gültigkeit ab 1. Oktober 2026 –, was die Adexa »mit Verwunderung« registriert habe.
»Eine solche Empfehlung ist kein Tarifvertrag«, so Adexa. »Die Beschäftigten haben keinen Anspruch darauf, und jede Apotheke entscheidet selbst, ob und wie sie sie umsetzt. Für Juli bis September ist keine Erhöhung vorgesehen.« Eine einseitige Empfehlung könne keinen Tarifvertrag ersetzen.
Die Adexa stehe für konstruktive Gespräche bereit und erwarte eine baldige Fortsetzung der Verhandlungen. »Die Beschäftigten in Nordrhein haben Anspruch auf eine ernsthafte Verhandlung und auf ein Ergebnis, das ihrer Qualifikation und ihrer Arbeit in der Apotheke gerecht wird.«
Die Gewerkschaft erkenne an, dass die Arbeitgeberseite ihr Angebot im Laufe der Verhandlungen nachgebessert habe und habe auch Verständnis dafür, dass viele Apothekeninhaberinnen und -inhaber wirtschaftlich schwierige Jahre hinter sich hätten. Das dürfe jedoch nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen. »Ein Tarifvertrag muss Qualifikation, Berufserfahrung und Verantwortung deutlich oberhalb der gesetzlichen Mindeststandards abbilden«, schreibt die Adexa und nennt Gründe für die Ablehnung des Angebots, unter anderem folgende:
Die Adexa betont, dass faire Gehälter »eine Investition in die Zukunft jeder Apotheke« seien. »Wenn eine qualifizierte Ausbildung sich kaum noch im Gehalt bemerkbar macht, entscheiden sich junge Menschen für andere Berufe«. Das Tarifniveau in Nordrhein liege ohnehin hinter dem übrigen Bundesgebiet zurück, nicht nur bei den Gehältern, sondern auch hinsichtlich der Wochenarbeitszeit von 40 statt 39 Stunden und weniger Urlaubstagen.
»Die Beschäftigten haben die wirtschaftlich schwierigen Jahre der Apotheken mitgetragen: mit hohem Einsatz, mit Flexibilität und oft mit Zurückhaltung bei den eigenen Forderungen«, schreibt die Adexa. Beide Seiten hätten vereinbart, den neuen Vertrag zügig anzugehen, sobald die Honorarerhöhung für Apotheken feststehe. Da dies nun Realität ist, könnten die Angestellten »zu Recht« erwarten, »daran beteiligt zu werden, und zwar lückenlos ab dem 1. Juli und nicht erst ab Oktober.«
»Wir fordern Gehälter deutlich über dem Mindestlohn, die Anerkennung von Ausbildung und Berufserfahrung und Arbeitsbedingungen wie im übrigen Bundesgebiet«, so die Adexa.