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Leitfaden für die Apotheke
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Gut beraten bei Obstipation

Eine chronische Obstipation kann die Lebensqualität deutlich einschränken. Da Betroffene häufig zunächst Rat in der Apotheke suchen, hat nun ein interdisziplinäres Team aus Ärzten und Apothekern einen Leitfaden veröffentlicht, der das Apothekenteam bei der Beratung unterstützen soll.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 31.10.2023  15:30 Uhr
Gut beraten bei Obstipation

Die Verstopfung ist eine der häufigsten gastrointestinalen Störungen in der Allgemeinbevölkerung: Die Prävalenz in Europa beträgt durchschnittlich etwa 15 Prozent, bei Frauen und älteren Menschen liegt sie deutlich höher. »Die chronische Obstipation ist eine Volkskrankheit und ein komplexes und herausforderndes Problem«, betonte Professor Dr. Thomas Frieling, Chefarzt am Helios Klinikum Krefeld, bei einem digitalen Expertengespräch der Firma Sanofi.

Die chronische Verstopfung sei in der Regel über subjektive Beschwerden definiert, erläuterte der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, der auch Mitautor des neuen Leitfadens ist. Eine chronische Obstipation liegt demnach vor, wenn folgende drei Kriterien seit mindestens drei Monaten bestehen und der Beginn der Symptomatik mindestens sechs Monate zurückliegt:

  1.  Zwei oder mehr der folgenden Kriterien:
    • Pressen bei mehr als 25 Prozent der Defäkationen
    • Knollige oder harte Stühle bei mehr als 25 Prozent der Defäkationen
    • Gefühl der inkompletten Entleerung bei mehr als 25 Prozent der Defäkationen
    • Gefühl der anorektalen Obstruktion/Blockade bei mehr als 25 Prozent der Defäkationen
    • Manuelle Manöver zur Entleerung bei mehr als 25 Prozent der Defäkationen nötig
    • Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche
  2. Dünne Stühle selten ohne Laxanzien
  3. Ausschluss Reizdarmsyndrom, Opiat-induzierte Obstipation, Diarrhö.

Zur Diagnose und Therapie einer chronischen Verstopfung gibt es Leitlinien, die sich jedoch primär auf die ärztliche Behandlung konzentrieren. Die meisten Menschen, die an Verstopfung leiden, diagnostizierten und behandelten ihre Erkrankung jedoch selbst, so Frieling. Das Apothekenteam ist meist die erste Anlaufstelle bei Verstopfung beziehungsweise Unregelmäßigkeiten der Verdauung. »In der Apothekenpraxis sind allerdings häufig einige Fragen unklar, etwa wann der Arzt eingebunden werden sollte, sowie nach Art und Dauer der Therapie«, so Frieling. Hier soll der neue Leitfaden Abhilfe schaffen.

Wichtig sei es zunächst, im Rahmen der Beratung eine ernstere Grunderkrankung auszuschließen, bevor ein OTC-Medikament zur Behandlung der Verstopfung abgegeben wird. Hier seien vor allem zwei Fragen wichtig, betonte Frieling:

  • Sind die Symptome akut oder wiederkehrend/chronisch?
  • Sind Alarmsymptome vorhanden oder haben sich die Symptome wesentlich verändert?

Bei akuten Beschwerden, die definitionsgemäß nicht länger als drei Monate bestehen, könne man, wenn keine Alarmzeichen wie Blut im Stuhl oder veränderte Stuhlfrequenz vorliegen, dem Patienten ein Laxans empfehlen und ihn innerhalb von zwei bis drei Monaten an den Arzt verweisen, so Mediziner Frieling. Sind die Beschwerden chronisch, dauern sie also bereits länger als drei Monate an, und gibt es keine Alarmzeichen, sollten die Patienten eine ärztliche Abklärung innerhalb von zwei bis vier Wochen einholen. Frieling: »Auch eine Langzeit-Selbstmedikation nach ärztlicher Abklärung ist angemessen, wenn der Zustand stabil und die Behandlungsergebnisse zufriedenstellend sind.«

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