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Hilfe bei Urinverlust

Harninkontinenz trifft Menschen quer durch alle Gruppen: Junge und Alte, Männer wie Frauen, Sportler sowie Schwangere. Viele beeinflusst es in ihrem sozialen Leben. Doch aus Scham schweigen Betroffene.
AutorKontaktAnna Carolin Antropov
Datum 31.05.2021  08:30 Uhr

Blase unter Druck

Eine Belastungs- oder auch Stressinkontinenz haben vor allem Frauen. Dabei geht Urin daneben, wenn der intraabdominale Druck den Druck des Sphinkters übersteigt. Das passiert zum Beispiel bei schwerem Heben, Husten oder Lachen. Häufig trifft es Frauen nach der Menopause oder frischgebackene Mütter, wenn der Beckenboden an Tonus verliert oder gar eine Organsenkung auftritt. Aber auch Sport kann das System bei erhöhter oder ungünstiger Belastung schwächen, sodass je nach Disziplin selbst Profisportler ungewollt Urin verlieren. Besonders kritisch sind Sportarten mit Sprungelementen wie Ballsport, Trampolinsport und Gewichtheben. Bei Männern tritt die Belastungsinkontinenz hingegen oft nach einer Entfernung oder Operation der Prostata auf. Manchmal äußert sie sich bei ihnen erst abends bei Ermüdung der Muskeln.

Ob Männer, Frauen oder Sportler: Die Beschwerden sind Zeichen einer Beckenboden-Sphinkter-Schwäche und eine klare Aufforderung zu gezielter Reaktivierung des Beckenbodens und Schließmuskels. Funktionsspezifische Kontinenztherapie ist der medikamentösen Therapie mindestens ebenbürtig. Elektrotherapie sowie Biofeedback können unterstützen. Renate Tanzberger erklärt gegenüber PTA-Forum: »Belastungsinkontinenz ist ein funktionelles, myofasziales Problem.« Die spezialisierte Physiotherapeutin entwickelte das Tanzberger-Konzept®, nach dem zahlreiche Therapeuten arbeiten.

Besonderes Augenmerk legt sie auf die muskuläre Reaktionsfähigkeit statt auf die reine Kraft. Dabei bindet sie das Beckenboden-Schließmuskel-System in seinen funktionell-anatomischen Kontext ein. Übungen erinnern also wenig an verkrampftes »Aufzugfahren« im Intimbereich. »Die Rückgewinnung der Reaktionskraft erhöht zudem gleichzeitig die Spannkraft des Beckenbodens sowie der urethralen und analen externen Sphinkter«, so die Expertin.

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