| Sven Siebenand |
| 08.05.2026 12:00 Uhr |
Bei einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation kann eine lebensbedrohliche immunologische Reaktion auftreten. / © Imago Images/Westend61
Die chronische Graft-versus-Host-Disease (cGvHD) ist eine lebensbedrohliche immunologische Reaktion, die als häufige Komplikation nach einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation (alloHSCT) auftreten kann. Spenderzellen greifen dabei Zellen des Empfängers an, was zu Entzündung und Fibrose und so zur Schädigung von Gewebe und Organen führen kann. cGvHD betrifft bis zu 50 Prozent aller Patienten mit einer alloHSCT. Bei der Erkrankung entwickelt sich unter anderem eine übermäßige Produktion proentzündlicher Typ17-T-Helferzellen (Th17-Zellen). Gleichzeitig sind Anzahl und Funktion immunsuppressiver regulatorischer T-Zellen (Treg) beeinträchtigt. Diese Dysbalance führt zur Freisetzung großer Mengen proinflammatorischer Zytokine. Parallel dazu werden profibrotische Signalwege aktiviert. Das stimuliert Fibroblasten und führt letztlich zur fortschreitenden Fibrosierung von Gewebe.
Belumosudil hemmt das Enzym Rho-assoziierte Proteinkinase 2 (ROCK2). Dadurch werden Th17-Zellen über den STAT3-Signalweg herunterreguliert und Treg-Zellen über den STAT5-Signalweg hochreguliert. So kann Belumosudil die Homöostase der Immunantwort wiederherstellen. ROCK2 löst zudem eine Signalkaskade aus, die zur Aktivierung eines breiten Spektrums profibrotischer Gene führt. Belumosudil unterbricht diese Kaskade, unterdrückt die Aktivierung profibrotischer Gene und die Entstehung von fibrotischem Gewebe wird damit gehemmt. Zusammenfassend heißt das also: Neben der Entzündung adressiert Belumosudil somit auch die Fibrose als wesentlichen Treiber von Morbidität und lebensgefährlichen Komplikationen bei cGvHD.
Zugelassen ist Belumosudil für die Behandlung von Erwachsenen und Kindern (im Alter ab zwölf Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg) mit cGvHD, wenn andere Behandlungsoptionen einen begrenzten klinischen Nutzen bieten, nicht geeignet sind oder ausgeschöpft wurden. Die empfohlene Dosis beträgt 200 mg einmal täglich oral zu einer Mahlzeit. Starke CYP3A4-Induktoren und Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) verringern die Exposition von Belumosudil. Die empfohlene Dosis beträgt 200 mg zweimal täglich zu einer Mahlzeit bei gleichzeitiger Anwendung mit starken CYP3A-Induktoren oder PPI.
Vor Therapiebeginn müssen ein großes Blutbild und Leberfunktionstests durchgeführt werden. Die Einleitung der Behandlung bei Patienten mit Thrombozytenwerten <50 × 109 /l oder einer absoluten Neutrophilenzahl <1,5 × 109 /l sollte unter engmaschiger Überwachung der Laborwerte und klinischer Beurteilung erfolgen. Während der Einnahme des Arzneimittels ist die Leberfunktion mindestens einmal monatlich zu überprüfen. Die Anwendung bei Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung ohne Leber-GvHD wird nicht empfohlen.
Kontraindiziert ist die Einnahme bei schwerer Leberfunktionsstörung ohne Leber-GvHD. Ebenso ist Belumosudil in Schwangerschaft und Stillzeit tabu. Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss vor Beginn der Behandlung der Schwangerschaftsstatus erhoben werden. Sie und männliche Patienten mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für mindestens eine Woche nach der letzten Dosis von Belumosudil eine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, erhöhte Konzentrationen von Leberenzymen wie Aspartataminotransferase und Alaninaminotransferase im Blut.