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Multiple Sklerose
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Krankheit mit 1000 Gesichtern

Die Multiple Sklerose (MS) zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter. In den vergangenen Jahren hat ihre Behandlung große Fortschritte gemacht.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 18.10.2024  15:00 Uhr

Neue Forschungstrends

Deutlich eingeschränkter als bei der schubförmig remittierenden MS sind die Therapieoptionen bei einer chronisch progredienten MS. Die betroffenen Patienten erhalten meist Siponimod (Mayzent®) oder Ocrelizumab, um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Als vielversprechende neue Wirkstoffkandidaten gelten sogenannte Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren (BTKI), die in der Krebstherapie bereits erfolgreich eingesetzt werden. Diese Wirkstoffmoleküle sind so klein, dass sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dadurch können sie im ZNS effektiver gegen die schwelenden Entzündungsprozesse ankämpfen, die beim progredienten Verlauf eine wichtige Rolle spielen. Derzeit wird die Wirksamkeit von mehreren BTKI in klinischen Phase-2- und Phase-3-Studien untersucht.

Ähnlich wie bei Tumorerkrankungen könnte in Zukunft auch eine personalisierte Therapie Einzug in die Behandlung der MS finden. Möglich gemacht hat das die jüngste Entdeckung von drei Subtypen der Erkrankung, bei denen verschiedene Klassen von Immunzellen verändert sind. Weil sich auch die Immuntherapeutika gegen unterschiedliche Strukturen richten, lässt sich durch die genauere Kenntnis der MS-Subtypen mutmaßlich besser vorhersagen, wie der Patient auf die einzelnen Arzneistoffe anspricht.

Anders als noch vor einigen Jahren empfehlen die medizinischen Leitlinien heute eine möglichst frühe Behandlung der MS mit hocheffektiven Immuntherapeutika – oft schon nach dem ersten Schub. Dies gilt insbesondere für junge Patienten oder wenn viele Symptome auftreten, die sich durch die Akuttherapie nur unzureichend zurückbilden. Diese Art der Behandlung konnte in Studien den Fortschritt der Erkrankung besser aufhalten als die stufenweise Therapieeskalation.

Familienplanung erfordert Umsicht

Viele der in der MS-Therapie eingesetzten Medikamente sind potenziell fruchtschädigend (teratogen). Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter müssen deshalb auf eine sichere Verhütung achten. Wünschen sie sich Kinder, sollten sie frühzeitig mit ihrem Neurologen darüber sprechen und unter Umständen das Präparat wechseln. Während der Schwangerschaft nimmt die Schubrate in der Regel ab, steigt aber nach der Geburt und der Stillzeit wieder an. Das Risiko für Frühgeburten, Fehlbildungen oder andere Komplikationen ist durch die MS nicht erhöht.

Mit zunehmendem Lebensalter geht die Krankheitsaktivität bei vielen MS-Kranken zurück. Manche Patienten können dann nach ärztlicher Absprache und unter regelmäßiger MRT-Überwachung die Therapie pausieren oder sogar beenden.

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