| Juliane Brüggen |
| 31.03.2026 12:00 Uhr |
Besonders bei Früh- und Neugeborenen ist Vorsicht geboten, da die Hautbarriere noch nicht ausgereift ist und der Stoffwechsel sich von Erwachsenen deutlich unterscheiden kann. / © Adobe Stock/S.Kobold
»Bei der Herstellung von pädiatrischen Rezepturarzneimitteln sollte darauf geachtet werden, dass die Darreichungsform und die Rezepturzusammensetzung für das Alter des Kindes geeignet sind«, sagt Dr. Stefanie Melhorn, Leiterin Pharmazeutisches Laboratorium des DAC/NRF, im Gespräch mit PTA-Forum. »Die Dosierung muss eindeutig sein und von den Eltern auch genau genug zu applizieren sein. Dazu ist wichtig, dass die Bezugsgröße bei Salzen und Hydraten festgelegt wird und die Dosiergenauigkeit und Anforderungen an Dosierhilfsmittel passen.«
Darüber hinaus benötigen die enthaltenen Hilfsstoffe besondere Aufmerksamkeit. Denn was für Erwachsene gut verträglich ist, kann bei Kindern mitunter schwere Nebenwirkungen oder Hypersensivitätsreaktionen hervorrufen. Besonders in den ersten Lebensmonaten ist Vorsicht geboten.
Eine Liste der potenziell kritischen Hilfsstoffe inklusive Hintergründen und Empfehlungen zu erlaubten Tagesdosen stellt das »Kinderformularium« bereit. Die unabhängige, wissenschaftliche Online-Datenbank ist eine wichtige Informationsquelle, wenn es um Kinderarzneimittel geht, und legt einen Schwerpunkt auf Wirkstoffmonographien mit Dosierungsempfehlungen für den On- und Off-Label-Gebrauch.
Als problematische Hilfsstoffe werden hier unter anderem Süßungsmittel, Konservierungsmittel, Alkohole und allergene Stoffe besprochen, darunter Aspartam, Benzoesäure, Ethanol, Fructose, Lactose, Parabene, Propylenglycol und Sulfite.
Laut Melhorn kommen in Apotheken vor allem bei Konservierungsmitteln Fragen auf, ob diese für Kinder geeignet sind. »Benzoesäure und Propyl-4-hydroxybenzoat sind bei Kindern kritisch«, erläutert die Apothekerin. »Benzoesäure kann bei Säuglingen bis etwa zur 8. Lebenswoche noch nicht vollständig metabolisiert werden, sodass es zu einer Akkumulation kommen kann. Bei Propyl-4-hydroxybenzoat weisen tierexperimentelle Daten auf mögliche Auswirkungen auf das weibliche Reproduktionssystem hin. Daher ist in oralen Zubereitungen ein Grenzwert von 2 mg/kg/Tag festgelegt.« Strenge Grenzwerte gibt es außerdem für Borsäure und Natriumborat in Augentropfen.