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Pädiatrie
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Kritische Hilfsstoffe erkennen und prüfen

In der Pädiatrie fehlt es oftmals an zugelassenen Fertigarzneimitteln – die Lücke füllen Rezepturarzneimittel. Bei der Herstellung ist Sorgfalt gefragt und ein kritischer Blick auf alle Wirk- und Hilfsstoffe sowie die enthaltene Menge.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 31.03.2026  12:00 Uhr

Grenzwerte beachten

Laut Kinderformularium sind orale, parenterale und topisch anzuwendende Zubereitungen, die hohe Mengen an Propylenglycol enthalten, nicht für Kinder unter vier Jahren geeignet. Grundsätzlich gelten aber folgende, von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ermittelten Grenzwerte als sicher – unabhängig von Dauer und Art der Verabreichung:

  • Früh- und Neugeborene (< 1 Monat): maximal 1 mg Propylenglycol pro kg Körpergewicht (KG) pro Tag
  • Kinder von 1 Monat bis 4 Jahre: maximal 50 mg/kg KG/Tag
  • Kinder ab 5 Jahren: maximal 500 mg/kg KG/Tag

»Die EMA rät bei der kutanen Anwendung zur Vorsicht, wenn Propylenglycol in einer Applikationsmenge von 50 mg/kg Körpergewicht pro Tag oder mehr bei Kindern unter 1 Monat auf offenen Wunden oder großflächig auf stark geschädigter Haut angewendet wird«, ergänzt Melhorn.

Im Kinderformularium wird darauf hingewiesen, dass es – nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung – erforderlich sein kann, die Grenzwerte zu überschreiten. Bei Bedarf ist ein Monitoring bestimmter Laborwerte möglich.

Bei Ethanol gilt die Konzentration im Blut

Bei der Verwendung von Ethanol ist es wichtig, die entsprechenden Grenzwerte und Risiken zu kennen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für OTC-Produkte eine maximale Ethanolkonzentration von 0,5 Prozent für Kinder unter 6 Jahre, 5 Prozent für Kinder zwischen 6 und 12 Jahre und von 10 Prozent für Kinder über 12 Jahre. Relevant ist darüber hinaus die tatsächlich verabreichte Menge Ethanol: Die durch eine Einzeldosis bedingte Blutalkoholkonzentration sollte dem Kinderformularium zufolge einen Wert von 0,125 g/L (≙ circa 0,125 ‰) nicht überschreiten. 

»Hohe Ethanol-Konzentrationen können bei Neugeborenen (Frühgeborene und termingerecht geborene) aufgrund signifikanter Resorption durch die unreife Haut (insbesondere unter Okklusion) schwere lokale Reaktionen und systemische Toxizität verursachen«, warnt Stefanie Melhorn. »Man ist aber auch bei älteren Kindern mit Ethanol-haltigen Grundlagen vorsichtig, weil sie die Haut reizen, austrocknen und die Permeation andere Wirkstoffe verstärken können.«

Eine Alkoholvergiftung äußert sich unter anderem durch Hypoglykämie, Krampfanfälle, Hypothermie, Hypotonie, verminderte Reflexe, Gastritis, gastrointestinale Blutungen, akute Hepatitis und Pankreatitis, Untergang von Muskelfasern (Rhabdomyolyse), Laktatazidose und Koma. Als potentiell tödliche Dosis gelten 3 g/kg Körpergewicht. Wechselwirkungen können unerwünschte Wirkungen fördern, wie etwa die oben beschriebene Interaktion mit Propylenglycol.

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