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Pädiatrie
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Kritische Hilfsstoffe erkennen und prüfen

In der Pädiatrie fehlt es oftmals an zugelassenen Fertigarzneimitteln – die Lücke füllen Rezepturarzneimittel. Bei der Herstellung ist Sorgfalt gefragt und ein kritischer Blick auf alle Wirk- und Hilfsstoffe sowie die enthaltene Menge.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 31.03.2026  12:00 Uhr

Vorsicht bei Propylenglycol

Ein häufig vorkommender Hilfsstoff, der für Kinder und insbesondere für Früh- und Neugeborene gefährlich werden kann, ist Propylenglycol. Der mit Wasser mischbare mehrwertige Alkohol dient als Lösemittel in oralen, topischen und parenteralen Arzneimitteln sowie bei mindestens 20-prozentiger Konzentration (bezogen auf die Wasserphase) als Konservierungsmittel, etwa in der Basiscreme DAC. Auch als Feuchthaltemittel oder Penetrationsbeschleuniger kommt der Hilfsstoff zum Einsatz.

»In der Pädiatrie wird Propylenglycol vor allem wegen der unzureichenden Verstoffwechselung und des damit verbundenen Kumulationsrisikos kritisch gesehen«, berichtet Melhorn. So ist die Nierenfunktion bei Kindern unter einem Jahr noch nicht voll ausgereift – und auch der Metabolismus über das Enzym Alkoholdehydrogenase funktioniert bei Kindern unter 5 Jahren nicht in gleichem Maße wie bei Erwachsenen. Da Ethanol auf gleichem Wege verstoffwechselt wird, kann eine entsprechende Co-Medikation zusätzlich kritisch sein.

Die Folgen einer Intoxikation sind schwerwiegend: Neben einer Depression des zentralen Nervensystems kann es zu Hyperosmolalität, Laktatazidose, Nieren- und Leberfunktionsstörungen, Kardiotoxizität und hämolytischen Reaktionen kommen.

Vorsicht ist nicht nur bei peroraler oder parenteraler Anwendung geboten, sondern auch bei der kutanen Applikation. So haben Früh- und Neugeborene noch keine voll ausgereifte Hautbarriere – das Risiko einer transkutanen Resorption ist entsprechend hoch. Gleiches gilt, wenn die Haut geschädigt ist, zum Beispiel durch Verbrennungen, Ausschläge oder Windeldermatosen. Auf offenen Wunden und bei großflächigen beschädigten Hautarealen sollte die Anwendung daher vermieden werden. Eine intakte Hautbarriere kann Propylenglycol hingegen nicht in relevantem Ausmaß durchdringen.

Auch in therapeutischen Dosen kann Propylenglycol Nebenwirkungen hervorrufen und etwa peroral eingenommen aufgrund der osmotischen Wirkung abführend wirken; bei kutaner Anwendung ist eine Kontaktdermatitis möglich.

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