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Wimpernseren mit Prostaglandinen
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Lange Wimpern, lange Nebenwirkungen

Hornhautreizungen, dunkle Augenschatten, irreversible Irisverfärbungen: Was bei der Glaukom-Behandlung toleriert werden muss, ist für ein Kosmetikum nicht akzeptabel. Der Ophthalmologie-Professor Dr. Norbert Pfeiffer warnt vor den Nebenwirkungen Prostaglandin-haltiger Wimpernseren aus dem Kosmetikregal.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 03.07.2026  14:00 Uhr

Latanoprost, Bimatoprost oder Travoprost: PTA und Approbierte kennen diese Prostaglandin-Analoga schon lange von der Glaukomtherapie. Einmal täglich getropft senken die Prostaglandin-F-Derivate den Augeninnendruck um etwa 30 Prozent, indem sie den uveoskleralen und untergeordnet den trabekulären Abfluss des Kammerwassers verbessern. »In Form von Arzneimitteln eine segensreiche pharmakologische Entwicklung, aber in Kosmetika haben Prostaglandin-Derivate nichts zu suchen«, sagte Professor Dr. Norbert Pfeiffer bei der Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.

Neben Mascara gehören seit einiger Zeit Wimpernseren zu den Must-haves der dekorativen Kosmetik. Regelmäßig auf den Wimpernkranz aufgetragen, sollen sie die Wimpern kräftigen und längen können. Allein in Deutschland seien derzeit viele Dutzend Wimpernseren auf dem Markt, die diese Prostaglandin-Derivate enthalten, berichtete der Augenarzt der Universitätsklinik Mainz. »Ihre Verwendung in der Kosmetik ist ursprünglich aus einer Nebenwirkung der Glaukomtherapie entstanden – Patienten entdeckten, dass bei einseitiger Behandlung die Wimpern viel länger, dicker und stärker wurden im Vergleich zur unbehandelten Gegenseite.«

Pfeiffer beschrieb die Prostaglandin-haltigen Wimpernseren an sich als sehr potent. »Die Prostaglandine bewirken eine vermehrte Bildung und Einlagerung von Melanin-Pigment, die Wimpern werden dadurch dunkler, dicker und wachsen über längere Zeit als gewöhnlich, bevor sie wie alle Haare wieder ausfallen.« Das Problem sei jedoch, dass Melanin auch verstärkt in die Haut und ins Auge eingelagert wird – »Nebenwirkungen, die millionenfach von der Glaukomtherapie bekannt sind«.

Augenringe durch Wimpernserum

In der Tat verbleibe das Serum meist nicht nur auf dem Wimpernkranz, sondern finde den Weg in den Bindehautsack und auf die umliegende Haut. So gehörten zu den häufigsten unerwünschten Prostaglandin-Wirkungen laut des Experten Augenreizungen. »Schon relativ kurzfristig können Irritationen des äußeren und inneren Auges bis hin zu einer Iris- und auch Hornhautentzündung entstehen.« Für die Arzneimitteltherapie empfahl er deshalb das abendliche Einträufeln der Glaukom-Augentropfen, »damit die Augenreizung in die Nachtphase fällt«.

Auch die Farbe der Iris könne sich mit der Zeit verändern, so wird eine blaue oder grüne Regenbogenhaut braun, weil sie mehr Melanin einlagert. »Das ist irreversibel, selbst wenn man das Präparat nicht mehr nutzt«, warnte Pfeiffer. Als weitere Auffälligkeit durch die Pigmenteinlagerung beschrieb er dunkle Augenringe. Darüber hinaus schwinde langfristig das Fettgewebe um das und vor allem hinter dem Auge, was die Augenpartie dann eingefallen und greisenhaft aussehen lasse. Die Augenschatten und der Fettgewebsschwund könnten selbst lange nach Absetzen der Prostaglandine noch anhalten.

Vor allem die Augenreizungen und die Dunkelfärbung der Iris bezeichnete der Experte als häufige Folgen der Wimpernseren-Anwendung. Gar störend und behindernd beim Lidschlag beschrieb der Facharzt folgende Beobachtung: »Die Wimpern verlieren bei diesem länger dauernden Wachstum oft ihre Richtung und wachsen kreuz und quer. Manchmal werden sie gar lockig. Man muss also wissen, worauf man sich einlässt, wenn man solche Wimpernseren verwendet.« Schwangeren und Stillenden riet Pfeiffer generell davon ab.

Aktives Verbot gefordert

Pfeiffer sprach sich für ein aktives Verbot von Prostaglandinen in Kosmetik-Produkten aus. »Bei der Behandlung des Glaukoms geht es um die Vermeidung von Blindheit. Deshalb ist es gerechtfertigt, die zum Teil nicht unerheblichen Nebenwirkungen von Prostaglandin-Derivaten zu tolerieren. Für ein Kosmetikum ist das jedoch nicht akzeptabel.« Beispielsweise in Kanada seien Prostaglandin-haltige Wimpernseren bereits verboten, in der EU werde darüber diskutiert.

Ob Prostaglandine in einem Serum enthalten sind, ist aufgrund der fehlenden vollständigen Deklarationspflicht im Kosmetikmarkt nicht ganz leicht zu erkennen. Der Referent rät, die INCI-Liste auf den Wortbestandteil »Prost« zu überprüfen. Derivate gebe es zu Hauf. Umgekehrt seien manche Präparate auch mit »hormonfrei« ausgelobt.

Das sind etwa Wimpernseren, die auf Erdnuss- oder Rizinusöl setzen. Laut Pfeiffer wirkten sie zwar nicht so intensiv wie Seren mit Prostaglandinen. Doch auch sie könnten bei längerfristiger Anwendung das Haarwachstum anregen. Zu bedenken sei einzig, dass das Öl – per Wattestäbchen auf den Wimpernkranz aufgetupft - ins Auge kriechen könne, sodass man vorübergehend etwas verschwommen sieht.

Die dritte Kategorie der Wimpernseren enthält Pfeiffer zufolge Vitamine und Koffein. Hier fehlten zwar gute Belege für die Wirksamkeit, aber: »Sie können den Wimpern mehr Glanz geben.«

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