| Juliane Brüggen |
| 06.05.2026 12:00 Uhr |
Im Biofilm sind die Erreger geschützt, was die Behandlung erschwert. / © Getty Images/KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRARY
»Nur ein kleiner Teil des Wundmanagements ist chirurgisch«, berichtete Professor Dr. Stefan Langer, Bereichsleiter Plastische, Ästhetische und Spezielle Handchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Zuvor würden die konservativen Methoden ausgeschöpft. In der Klinik begegne ihm dann ein »anspruchsvolles Patientenkollektiv«, bedroht durch den lokalen Infekt. Die Geschichten seien oft emotional, das plastisch-chirurgische Wundmanagement mitunter die »letzte Behandlungsidee« vor einer Amputation. Dabei sei interdisziplinäre Expertise essenziell, betonte Langer, an den Kliniken gebe es ein spezielles Wund- und Extremitätenboard.
Chronische Wunden sind oft von Biofilmen besiedelt, laut Langer »eine Symbiose aus Bakterien, extrazellulärer Matrix, Viren oder Pilzen, die in einer selbstproduzierten Schleimschicht auf Oberflächen lebt«. Auf Wunden sind sie unerwünscht, denn sie behindern die Heilung und können schwere septische Verläufe verursachen. Ein mikrobiologischer Abstrich bleibe meist steril, erklärte der Experte, lediglich durch eine molekulare FISH-Analyse könne man den Biofilm genauer untersuchen. Diese sei jedoch aktuell teuer und keine Kassenleistung.
Was die Behandlung erschwert: Im Verbund sind die Mikroorganismen geschützt, sowohl vor einer körpereigenen Clearance als auch im Fall von Bakterien vor Antibiotika. Moderne Antiseptika erreichten den Biofilm zwar, »wir wissen aber nicht mit welcher Potenz und mit welcher Tiefe«, so Langer. Zahlreiche Produkte würden zur Biofilm-Eliminierung vermarktet, Handlungsrichtlinien seien jedoch rar.
Langer forscht in Leipzig im Feld der Biofilmbekämpfung: »Biofilme aus Wunden werden im Labor in ein 3-D-Zellmodell verbracht und gezüchtet«, erklärte er. So können die Forschenden beispielsweise die Wirkung eines Wundprodukts auf den Biofilm mit molekularbiologischen Methoden untersuchen, ohne Tierversuche. Auch die selektive Aktivität gegen bestimmte Spezies lasse sich erfassen. Er verwies auf eine aktuelle Publikation im Journal »Biofilm« (DOI: 10.1016/j.bioflm.2026.100361), die die Methode beschreibt.