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Einschlafhilfe
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Melatonin häufig verharmlost

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das als Nahrungsergänzungsmittel sogar in Form von Gummibärchen angeboten wird. Warum die Anwendung nicht unbedacht erfolgen sollte.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 08.04.2026  08:00 Uhr

Risiken oft unbekannt

Wie der BfR-Monitor, eine Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Jahr 2024, ergab, ist 56 Prozent der Menschen in Deutschland bekannt, dass es Melatonin-haltige NEM gibt. Nicht allen ist jedoch bewusst, dass von der Einnahme Risiken ausgehen können. Nur die Hälfte der Befragten äußerte Bedenken. Vor allem die Langzeitanwendung ist bislang unzureichend untersucht. 

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen einer Melatonin-Einnahme zählen ausgeprägte Tagesmüdigkeit, verringerte Aufmerksamkeit oder verlängerte Reaktionszeiten. Das kann das Unfallrisiko erhöhen. Auch Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, eine Reduktion der Körpertemperatur, Albträume, Kraftlosigkeit und Gangunsicherheit sind als mögliche Nebenwirkungen bekannt. Darüber hinaus beeinflusst Melatonin den Blutzuckerspiegel, sodass ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes diskutiert wird.

Mögliches Herzrisiko

Eine Auswertung von Gesundheitsdaten von mehr als 130.000 Erwachsenen mit Schlaflosigkeit, die mindestens ein Jahr lang Melatonin eingenommen hatten, zeigte ein um 90 Prozent erhöhtes Risiko für eine Herzinsuffizienz über die beobachtete Zeit von fünf Jahren im Vergleich zu Personen, die kein Melatonin eingenommen hatten. Auch Patienten, die in den letzten 90 Tagen mindestens zwei Melatonin-Verschreibungen erhalten hatten, zeigten ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Herzschwäche (82 Prozent).

Die Studie beweist zwar keinen kausalen Zusammenhang, gibt jedoch Anlass zu Sicherheitsbedenken im Hinblick auf die Verwendung von Melatonin. Der Studienleiter weist ebenfalls darauf hin, dass Melatonin-Supplemente weniger harmlos sein könnten als häufig angenommen und nicht dauerhaft ohne sichere Indikation angewendet werden sollten.

Zu beachten sind bei der Einnahme von Melatonin zudem mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Antikoagulanzien oder Estrogen. Zudem könnten Laborwerte zur Blutgerinnung beeinflusst werden.

Grundsätzlich sollte laut BfR die Einnahme von Melatonin-haltigen NEM als Einschlafhilfe mit Vorsicht betrachtet werden. Von der Einnahme absehen sollten Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen sowie Frauen mit Kinderwunsch, in der Schwangerschaft oder Stillzeit.  Anwender sollten nach der Einnahme keine Maschinen bedienen oder Auto fahren.

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