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Zukunftsangst
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Mut zur Zuversicht

Klimawandel, Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit oder künstliche Intelligenz: Gründe, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, gibt es derzeit viele. Warum einem das Ungewisse besonders große Angst macht, was dagegen helfen kann und die Zuversicht stärkt, erklärt Christian Weiss, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im Gespräch mit PTA-Forum.
AutorKontaktHanke Huber
Datum 07.10.2026  08:00 Uhr

Zukunftsangst ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Sich vorzustellen, was morgen, in einem Jahr oder in zehn Jahren passieren könnte, ist eine besondere Fähigkeit des Menschen. »Zukunftsängste sind neurologisch gesehen erst einmal eine große Leistung«, sagt Weiss, der gemeinsam mit Franca Cerutti durch den Podcast »Psychologie to go!« führt. Menschen seien in der Lage, sich gedanklich in die Zukunft zu beamen und das mögliche Geschehen zu bewerten. Das mache es möglich, zu planen. Evolutionär ist der Mensch so gestrickt, dass mögliche Gefahren seine Aufmerksamkeit besonders auf sich ziehen. »Wenn etwas Gutes auf uns zukommt, ist ja alles fein. Wenn aber etwas Gefährliches auf uns zukommen könnte, dann müssten wir etwas machen«, so der Psychiater. Angst  erfüllt damit zunächst eine wichtige Funktion. »Sie soll uns handlungsfähig machen.« Betrachtet man jedoch die Zukunft, also den Raum des Ungewissen, dann lähmt die Angst mitunter mehr als dass sie kluges Handeln ermöglicht, denn das Unbekannte lässt viel Raum für die eigene Vorstellungskraft. Weiss vergleicht das mit einem Kind, das sich vor dem fürchtet, was in der Dunkelheit lauern könnte. »Lieber das Monster sehen, dann weiß ich, worauf ich mich einstellen muss. Das Unbekannte liefert uns immer die schlimmsten aller möglichen Bilder«, verdeutlicht er. Ähnlich ist es auch bei Zukunftssorgen.

Wie gut Menschen mit dieser Unsicherheit zurechtkommen, ist individuell verschieden. In der Psychologie spricht man von Ambiguitätstoleranz – also der Fähigkeit, Unsicherheit, Unklarheit und widersprüchliche Informationen auszuhalten. »Je höher die Ambiguitätstoleranz von Menschen ist, umso geringer ist allgemein ihr Sorgenlevel«, erklärt der Facharzt.

Krisen ohne Pause

Dass Menschen sich vor der Zukunft fürchten, ist kein Phänomen der heutigen Zeit. Frühere Generationen sorgten sich etwa um den Kalten Krieg, Atomunfälle, sauren Regen oder das Ozonloch. Trotzdem hat sich heute etwas verändert: Die Menge an Krisennachrichten erreichen Menschen rund um die Uhr. Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, welchen Informationen man überhaupt vertrauen kann. Als Lösung Nachrichten völlig zu meiden, hält der Facharzt trotzdem nicht für sinnvoll. Problematisch könne dagegen der endlose Konsum negativer Nachrichten werden: »Das, was man am Ende Doomscrolling nennt, hat sicherlich keinen Mehrwert.«

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