Bei Sorgenschleifen empfiehlt Weiss, sich drei einfache Fragen zu stellen: Ist es überhaupt mein Problem? Kann ich etwas daran ändern? Und kann ich ausgerechnet jetzt etwas tun? Lauten die Antworten »Ja«, kann eine konkrete Handlung die Gedankenschleife durchbrechen. Lauten sie dagegen »Nein«, geht es darum, sich selbst zu erlauben, das Problem – zumindest für diesen Moment – ruhen zu lassen und sich mit anderen Dingen abzulenken. »Man kann sich sogar laut sagen: ›Hey, das ist jetzt nicht dran‹.« Das bedeute nicht, ein Problem grundsätzlich zu verdrängen. Vielmehr gehe es darum, nicht stundenlang weiter zu grübeln und nach einer Lösung zu suchen, wenn es im Augenblick gar keine geben kann.
Außerdem könne man ein bisschen über seine Gedanken mitbestimmen. »Wenn ich mir ein sehr unwahrscheinliches Katastrophenszenario vorstellen kann, dann kann ich mir auch eine Malediveninsel vorstellen, mit glasklarem Wasser und schönen Palmen. Und darüber kreist ein pummeliger rosa Drache mit sehr kleinen Flügeln.« Welche Gedanken gerade kommen, lässt sich nicht bestimmen, aber man kann üben, zu welchen man mehr greift.
Hilfreich gegen Sorgen kann außerdem ein Plan B sein. Zuversicht bedeutet schließlich nicht, dass alles wie gewünscht verläuft. Entscheidend ist, auch dann Handlungsmöglichkeiten zu sehen. Soziale Beziehungen tragen ebenfalls dazu bei, schwierige Situationen besser bewältigen zu können. Sie sind ein wichtiger Bestandteil von Resilienz. Allerdings lassen sich tragfähige Beziehungen nicht erst dann herstellen, wenn die Krise bereits da ist.
Nicht jede Phase mit Zukunftssorgen ist behandlungsbedürftig. Entscheidend ist, wie lange die Ängste anhalten, wie stark sie belasten und wie sehr sie den Alltag beeinflussen. Hellhörig werden sollte man laut Weiss, wenn Ängste über mehrere Wochen oder Monate bestehen und sich kaum noch unterbrechen lassen. Ein weiteres Warnzeichen ist, wenn sich die Sorgen nicht mehr auf ein konkretes Problem beschränken, sondern immer mehr Lebensbereiche erfassen – etwa die Gesundheit von Angehörigen, die eigene finanzielle Situation oder die Angst davor, dass etwas Schlimmes passieren könnte.
Auch körperliche Beschwerden können hinzukommen, beispielsweise Schlafprobleme, Zittern oder Herzklopfen. Besonders relevant wird die Angst, wenn sie das Verhalten verändert: wenn Betroffene Dinge aufschieben, vermeiden oder sich zunehmend einschränken. »Wenn die Angst die Handlungen bestimmt und einen Menschen in seinem Leben behindert, dann sollte man sich professionelle Hilfe holen“« sagt Weiss.
Gibt es wirklich passiv-aggressives Verhalten? Was hilft, sich richtig zu entscheiden? Wie geht es Angehörigen psychiatrisch kranker Menschen? In dem Podcast »Psychologie to go!« greifen die Psychotherapeutin Franca Cerutti und der Psychiater Christian Weiss jede Woche sehr fundiert spannende Themen aus der Psychologie auf.