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Nackenschmerzen
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Nicht schonen, bewegen!

Nackenschmerzen sind ein Volksleiden: Knapp jeder Zweite hat Befragungen zufolge im zurückliegenden Jahr mindestens einmal damit zu tun gehabt. PTA können bei unspezifischen Nackenschmerzen meist mit Analgetika, Wärmepflastern und Co. helfen – am wichtigsten ist aber Bewegung, betonen die Autoren der jüngst aktualisierten Behandlungsleitlinie.
AutorKontaktBarbara Erbe
Datum 19.02.2026  12:00 Uhr

Der eine hat nachts schlecht gelegen, die andere zu viel am Bildschirm gesessen. Die meisten haben sich oft und lange über ihr Smartphone gebeugt – in der Regel stecken Muskelverspannungen dahinter, wenn der Nacken schmerzt. Laut der Krankheitslaststudie BURDEN 2020 des Robert-Koch-Instituts hatten 45,7 Prozent von rund 5000 Befragten im zurückliegenden Jahr mindestens einmal Nackenschmerzen.

Meist seien solche Beschwerden harmlos und verschwänden nach einer Weile von selbst wieder, berichtet Professor Dr. Thomas Kötter vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Lübeck. Um derlei Schmerzen und Verspannungen entgegenzuwirken, sei es vor allem wichtig, Betroffene zu aktivieren. Er rät: »Bei unspezifischen Nackenschmerzen hilft Bewegung in aller Regel – bloß keine Schonhaltung!«

Dies gilt natürlich nur dann, wenn die Nackenschmerzen – wie in den meisten Fällen – keine gefährliche Ursache haben. Um die wenigen Fälle herauszufiltern, bei denen tiefgreifendere Ursachen dahinterstecken könnten, sollten PTA solche Kunden, die in der Apotheke »etwas gegen Nackenschmerzen« haben möchten, zunächst fragen, ob sie ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl oder gar Lähmungserscheinungen im Arm spüren, was auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen könnte. In diesem Fall sei ein Arztbesuch angezeigt, betont der Facharzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Chirotherapie. Ebenso, wenn die Betroffenen eine Schwellung am Nacken hätten, denn die könnte auf eine Entzündung hindeuten. Wer wiederum kurz zuvor einen Unfall hatte oder auch mit Osteoporose oder einer Krebserkrankung zu tun hat, sollte die Nackenschmerzen ebenfalls medizinisch abklären lassen.

Zu Bewegung raten – mit Fingerspitzengefühl

Für alle anderen aber gilt die Aussage der kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie »Nicht-spezifische Nackenschmerzen«, an der Kötter federführend mitgewirkt hat. »Am wirksamsten ist Bewegung. Überschätzt werden hingegen die Effekte von Analgetika, passiven Therapien wie Massage, Akupunktur, physikalische Methoden, Taping sowie die Rolle von bildgebenden Verfahren.« Demzufolge betonen die Leitlinienautoren die Kernrolle der Kommunikation mit Betroffenen. Um Patienten dazu zu motivieren, Bewegung nicht zu meiden, sondern aktiv einzusetzen, braucht es laut Kötter ein gutes, wertschätzendes Gespräch.

»Viele Betroffene fürchten, dass Bewegung schaden könnte. Eine gute Kommunikation bedeutet, diese Ängste ernst zu nehmen. Es ist wichtig, über individuelle Krankheitsvorstellungen, Sorgen und Erwartungen offen zu sprechen und verschiedene Ansätze vorzustellen, um Bewegung zu ermöglichen.« Es gelte, den Betroffenen zu erläutern, dass ein Verspannungsschmerz im Nacken nicht davon herrührt, dass »etwas kaputt« ist, und dass Bewegung Verspannungen lösen kann, indem sie die Durchblutung fördert, den Stoffwechsel in den Muskeln ankurbelt und Abbauprodukte abtransportiert. An dieser Stelle sei es auch wichtig und angebracht, auf entsprechende Schmerzmittel hinzuweisen, die dabei helfen können, den Teufelskreis von (verkrampfter) Schonhaltung und Verspannung zu durchbrechen.

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