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Beratung kompakt
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Pille danach – im Zeitfenster bleiben

Die Pille danach ist ein sensibles, beratungsintensives Thema mit hohem Informationsbedarf. Entscheidend ist ein strukturiertes, diskretes und empathisches Beratungsgespräch.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 11.05.2026  14:00 Uhr

Wirkstoffe

  • Levonorgestrel (z. B. Pidana®, Unofem Hexal®) und Ulipristalacetat (z. B. ellaOne®, Femke®, Lencya®)
  • verschieben Eisprung um bis zu fünf Tage nach hinten
  • verhindern Zusammentreffen von Ei und Spermien
  • keine Wirksamkeit, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat
  • hohe Wirksamkeit bei rechtzeitiger Einnahme vor dem Eisprung

Einnahme

  • möglichst bald nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr
  • auf Wunsch nach Beratung direkt in der Apotheke (Glas Wasser anbieten)
  • Levonorgestrel spätestens innerhalb 72 Stunden (drei Tage)
  • Ulipristalacetat spätestens innerhalb 120 Stunden (fünf Tage)
  • bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erneute Einnahme nötig
  • Berechnung des fertilen Fensters ist unzuverlässig, Eisprung kann stark variieren
  • keine Abgabe auf »Vorrat«

Spielt das Alter eine Rolle?

  • grundsätzlich geeignet für alle Frauen im gebärfähigen Alter, also auch für Jugendliche, gegebenenfalls Arztbesuch empfehlen
  • bei Mädchen unter 14 Jahren wird eine Abgabe ohne Einbezug eines Erziehungsberechtigten nicht empfohlen
  • bei 15 bis 18-Jährigen besonders sorgfältige und einfühlsame Beratung; prüfen, ob alle Hinweise verstanden wurden
  • bis zum 22. Geburtstag erstattungsfähig

Mögliche Nebenwirkungen

  • Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Schmerzen im Unterbauch und Müdigkeit (verschwinden meist nach 48 Stunden)
  • Brustspannen und Blutungsstörungen können bis zur nächsten Monatsblutung andauern
  • nächste Periode eventuell einige Tage früher oder später

Vorsicht Wechselwirkung

  • Metabolisierung beider Wirkstoffe über CYP3A4
  • Einnahme von Enzym‑Induktoren (wie Phenytoin, Carbamazepin, Ritonavir, Rifampicin, Johanniskraut-Extrakte) in den letzten vier Wochen: mögliche Wirkungsverminderung der Notfallkontrazeptiva
  • Levonorgestrel kann Abbau von Ciclosporin hemmen
  • Arztbesuch anraten (mögliche Alternative: Einsetzen einer Kupferspirale)

Verdacht auf Schwangerschaft

  • keine Kontraindikation, Einnahme dennoch nicht angezeigt
  • beendet keine bestehende Schwangerschaft
  • keine Verhinderung der Einnistung eines ­Embryos, keine abortive Wirkung

Ist eine Einnahme während der Stillzeit möglich?

  • beide Wirkstoffe gehen in Muttermilch über
  • Einnahme der Pille danach unmittelbar nach dem Stillen
  • danach Stillpause einhalten: Levonorgestrel: 8 Stunden, Ulipristalacetat: 7 Tage
  • während der Stillpause Muttermilch abpumpen und verwerfen, um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten

Problematische Vorerkrankungen

  • schweres Asthma bronchiale unter oraler Glucocorticoid‑Therapie: keine Anwendung von Ulipristalacetat
  • schwere Leberfunktionsstörungen, chronisch‑entzündliche Darmerkrankungen oder akute starke Durchfälle/Erbrechen können Wirksamkeit einschränken; kein Grund für eine Nicht‑Abgabe, (anschließender) Arztbesuch ist sinnvoll

Was, wenn der Partner in der Apotheke kommt?

Eine optimale Beratung erfolgt am besten im persönlichen Gespräch mit der Patientin. Kommt der Partner allein, kann ein Telefongespräch mit der Patientin hilfreich sein.

Wie geht es weiter?

  • für den restlichen Zyklus wie gewohnt weiter verhüten
  • ist die nächste Periode deutlich stärker oder schwächer oder bleibt ganz aus: Schwangerschaftstest durchführen und/oder Arztbesuch

Sexuelle Gewalt

  • betroffene Frau mit der Pille danach versorgen
  • zusätzlich an eine gynäkologische Praxis verweisen
  • auf Angebote wie das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« (Telefon: 116 016 oder via Online-Beratung) und auf die Möglichkeit einer Anzeige bei der Polizei hinweisen
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