| Barbara Döring |
| 10.04.2026 08:00 Uhr |
Das Zytokin Interleukin-5 (IL-5) spielt für die Typ-2-Inflammation, die anhand der Eosinophilenzahl im Blut messbar ist, eine wichtige Rolle. Diese Art der Entzündung ist bei schwerem Asthma sowie bei Menschen mit chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (Chronic Rhinosinusitis with Nasal Polyposis, CRSwNP) oft nachweisbar.
Gegen IL-5 oder den IL-5-Rezeptor gerichtete Therapien gibt es auf dem Markt schon einige. Mit Depemokimab (Exdensur® 100 mg Injektionslösung im Fertigpen/einer Fertigspritze, GSK) kam nun eine weitere hinzu.
Zugelassen ist der Antikörper als zusätzliche Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, das trotz hoch dosierter inhalativer Corticosteroide plus einem weiteren Arzneimittel zur Asthma-Erhaltungstherapie unzureichend kontrolliert ist. Das zweite Anwendungsgebiet ist die Zusatztherapie mit intranasalen Corticosteroiden zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schwerer CRSwNP, die mit systemischen Corticosteroiden und/oder chirurgischem Eingriff nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
Depemokimab bindet an IL-5 und unterbindet dadurch, dass das Zytokin an seinen Rezeptor andocken kann. Die Eosinophilenzahl lässt sich damit reduzieren, was zur Linderung von Entzündungen und zur Besserung der Symptome führt. Zudem ist der neue Antikörper so konzipiert, dass er eine besonders hohe Affinität zum sogenannten neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) aufweist. Dieser intrazelluläre Rezeptor ist an einem Recyclingprozess beteiligt. Bindet Depemokimab an den FcRn, so wird es vor dem lysosomalen Abbau geschützt, was die Halbwertszeit deutlich verlängert. Das neue Biologikum muss so nur zweimal pro Jahr appliziert werden.
Die empfohlene Dosis von Depemokimab beträgt in beiden Indikationen 100 mg, subkutan verabreicht, einmal alle sechs Monate. Bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Nach einer entsprechenden Schulung können sich die Betroffenen oder Angehörige das Biologikum selbst injizieren. Bei Verabreichung durch den Patienten selbst sind die empfohlenen Injektionsbereiche der Bauch oder der Oberschenkel. Eine den Patienten betreuende Person kann das Arzneimittel auch in den Oberarm injizieren. Depemokimab sollte nicht in Bereiche injiziert werden, an denen die Haut verletzt, empfindlich, gerötet oder verhärtet ist.
Häufig beobachtete Nebenwirkungen sind zum Beispiel Juckreiz und lokale Reaktionen an der Injektionsstelle. Liegt bei einem Patienten eine Wurminfektion (Helminthen) vor, sollte diese vor dem Therapiebeginn behandelt werden, da Eosinophile an der Immunantwort auf manche Helminthen beteiligt sind.
Aus Sicherheitsgründen sollte Exdensur nicht bei Schwangeren zum Einsatz kommen. Zudem ist bekannt, dass IgG-Antikörper in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch ausgeschieden werden, wobei die Konzentrationen danach schnell wieder auf ein niedriges Niveau sinken; folglich kann ein Risiko für den gestillten Säugling während dieses kurzen Zeitraums nicht ausgeschlossen werden. Anschließend kann Depemokimab laut Fachinformation während der Stillzeit angewendet werden, falls dies klinisch erforderlich ist.
Exdensur ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern. Der Fertigpen und die Fertigspritze können aus dem Kühlschrank entnommen und in dem ungeöffneten Umkarton für bis zu sieben Tage bei Raumtemperatur (bis zu 30 °C) und vor Licht geschützt aufbewahrt werden.