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Krankheitserreger
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Rotaviren fordern eine halbe Million Opfer jährlich

Rotaviren sind die idealen Auslöser einer Epidemie: sie sind weltweit verbreitet, umweltstabil, haben eine hohe Infektiosität und eine kurze Inkubationszeit. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und ältere Personen, vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen. Während die Patienten in den Industrienationen gute Chancen haben, wieder gesund zu werden, ist das Virus in den Entwicklungsländern die Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit.
AutorKontaktEdith Schettler
Datum 10.06.2021  16:00 Uhr

Im Wasser und auf Lebensmitteln

Wie die meisten Durchfallerreger verbreiten sich auch die Rotaviren auf fäkal-oralem Weg, durch Schmierinfektion, kontaminiertes Wasser und Lebensmittel. Infizierte Patienten scheiden die Erreger etwa acht Tage lang in großen Mengen, zwischen 109 und 1011 pro Gramm, mit dem Stuhl aus. Damit sich ein Kind infiziert, genügen schon zehn Virionen. Hauptreservoir ist der Mensch.

Nach oraler Aufnahme gelangen die Erreger in den Dünndarm und dringen in die Enterozyten der Darmschleimhaut ein. Sie halten sich bevorzugt in den Spitzen der Darmzotten auf. In der Wirtszelle streifen die Viren zunächst das äußere Kapsid ab und setzen das Genom in das Zellinnere frei. Zusammen mit der RNA gelangt die zugehörige Transkriptase ins Zytoplasma und das Endoplasmatische Retikulum und beginnt mit der Ablesung einer der beiden RNA-Stränge. Auf jedem Segment befindet sich die Information für ein Protein, demzufolge entstehen elf Proteine. Diese verbinden sich zur Core-Schale und den Kapsidhüllen der neuen Virionen. Am Endoplasmatischen Retikulum erfolgt die Endmontage der Virionen, indem ein neuer RNA-Strang in das Kapsid eingebaut wird. Im letzten Schritt entsteht im Kern der zweite RNA-Strang und komplettiert das Genom.

Die Virionen verlassen die Wirtszelle, die schließlich abstirbt. In der Folge nehmen die Länge und die Anzahl der Darmzotten ab, was zu einer Störung der Resorption von Wasser und Nährstoffen führt. Auf den Gewebeschaden reagiert die Dünndarmschleimhaut mit einer verstärkten Sekretion. Die im Darmlumen verbleibenden unverdauten Nahrungsbestandteile binden osmotisch das Wasser und führen zu einer Diarrhö. Der Patient leidet außerdem an Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen. Jeder zweite klagt außerdem über respiratorische Symptome. Unbehandelt kann der Flüssigkeitsmangel schnell zu einer Dehydratation und einer Elektrolytverschiebung führen. Die orale Substitution von Wasser und Elektrolyten ist in der Regel als Therapie ausreichend, in schweren Fällen erfolgt eine stationäre Aufnahme zur intravenösen Zufuhr von Flüssigkeit.

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