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Suzetrigin
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Schmerzmittel mit neuem Wirkprinzip

Mit Suzetrigin, einem selektiven Natriumkanal-Hemmer, könnte eine neue Klasse peripher wirksamer Schmerzmittel vor der Tür stehen – offenbar ohne die Nachteile der Opioide und NSAR.
AutorKontaktPZ
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Datum 05.02.2025  10:00 Uhr
Schmerzmittel mit neuem Wirkprinzip

Suzetrigin (Journavx™ 50 mg Tabletten) wurde am 30. Januar 2025 in den USA zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelstarken bis starken akuten Schmerzen zugelassen. Der Wirkstoff ist ein selektiver Inhibitor des spannungsabhängigen Natriumkanals NaV1.8. Das Unternehmen Vertex Pharmaceuticals, das den Wirkstoff mit dem Entwicklungsnamen VX-548 zur Marktreife geführt hat, spricht in einer Mitteilung vom »ersten und einzigen zugelassenen nicht opioiden oralen Schmerzsignalinhibitor und der ersten zugelassenen neuen Klasse von Schmerzmitteln seit mehr als 20 Jahren«.

Die Natriumkanäle der Subtypen NaV1.1 bis NaV1.9 finden sich in verschiedenen Zell- und Gewebearten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion nur geringfügig voneinander. Deshalb galt es bislang als schwierig, einen bestimmten dieser Kanäle pharmakologisch zu adressieren. Unselektive Inhibitoren spannungsabhängiger Natriumkanäle sind beispielsweise Lidocain (Lokalanästhetikum), Mexiletin (Antiarrhythmikum) und Carbamazepin (Antiepileptikum).

Mit Suzetrigin ist die selektive Hemmung gelungen. Die Zielstruktur – der Natriumkanal NaV1.8 – wird ausschließlich in peripheren an der Schmerzempfindung beteiligten Nervenzellen (Nozizeptoren) der Spinalganglien exprimiert. Darüber hinaus spielt NaV1.8 eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Entzündungsschmerz.

Keine Hinweise auf Abhängigkeitspotenzial

Präklinische und klinische Daten deuten nicht darauf hin, dass der neue Wirkstoff ein Abhängigkeitspotenzial besitzt. Da er zudem nicht in die Prostaglandin-Synthese eingreift, sind auch die für nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) typischen Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Dazu gehören etwa Magen-Darm-Läsionen und Nierenschäden.

Eine Behandlung mit Suzetrigin wird mit einer Startdosis von 100 mg begonnen und dann mit 50 mg alle zwölf Stunden weitergeführt. In dieser Dosierung war der Wirkstoff in drei Phase-III-Studien bei Patienten mit mittelstarken bis starken (postoperativen) Schmerzen signifikant wirksamer als Pacebo. Verglichen mit der aktiven Kontrollbehandlung Hydrocodon/Paracetamol (5 mg/325 mg alle sechs Stunden)  war die Wirkung jedoch nicht besser beziehungsweise schlechter.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Suzetrigin waren Juckreiz, Muskelkrämpfe, Anstieg des Kreatinkinase-Werts und Hautausschlag. Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A-Inhibitoren ist kontraindiziert. Patienten sollten während der Einnahme auch keinen Grapefruitsaft trinken.

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