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Nasennebenhöhlen
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Sinusitis leitliniengerecht behandeln

Wenn die Nasennebenhöhlen dicht machen, geht nichts mehr. Die Schleimhäute sind geschwollen, das Sekret stockt, das Atmen fällt schwer. Drückender Schmerz über den Augen oder in der Wangenpartie, besonders beim Bücken, deutet auf eine Entzündung der Nasennebenhöhlen hin. Die Leitlinie empfiehlt eine symptomatische Therapie.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 28.01.2020  16:00 Uhr

Reinemachen mit Phytos

Ein probates Mittel, um die Drainage in der Nasenhaupt- und in der Folge auch der Nebenhöhlen zu verbessern, sind nachweislich sekretolytisch wirkende pflanzliche Arzneimittel. Produkt- beziehungsweise Extrakt-/Destillat-spezifische Daten aus doppelblinden placebokontrollierten Studien zeigen eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Die gesteigerte Sekretolyse und die antientzündlichen Effekte der Inhaltsstoffe lassen Beschwerden schneller und effektiver abklingen. Für das Symptom Druckkopfschmerz liefern die Präparate einen Genesungsvorsprung von zwei Tagen.

Das können leitliniengemäß eine standardisierte 5er-Fixkombination aus Primelblüten, Enzian-, Ampfer- und Eisenkraut sowie Holunderblüten (Sinupret® extract) sowie »definierte Eukalyptusextrakte«. Vermutlich verstehen die Leitlinienautoren darunter das Mischspezialdestillat auf Basis rektifizierter Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöle (Spezialdestillat ELOM-080, früher Myrtol®) und 1,8-Cineol (Sinolpan® forte, Soledum®). Allerdings sind Präparate mit 1,8-Cineol als isolierte Substanz des Eukalyptusöls keine Phytopharmaka. Diese sind definitionsgemäß Vielstoffgemische.

Für andere Phytopharmaka wie etwa Pelargonium-haltige Extrakte sieht die Evidenzlage laut Leitlinie bislang weniger gut aus. Zu Echinacea-haltigen Extrakten liegen keine relevanten Studien vor. Darüber hinaus wird auch darauf hingewiesen, dass der Zusatz ätherischer Öle bei der Inhalation »entgegen dem subjektiven Eindruck keine nachgewiesenen klinischen Effekte« besitzt.

Als zusätzliche Maßnahme zur Standardtherapie sprechen sich die Leitlinienautoren für Spülungen mit iso- oder hyperosmolaren Salzlösungen aus (wie mit Emser Sinusitis Spray, Bepanthen® Meerwasser Nasenspray, Olynth® Ectomed, Rhinomer® plus). Vorliegende Studien deuten auf eine vorhandene, wenn auch begrenzte Wirksamkeit und einen präventiven Effekt bei Infektneigung hin. Darüber hinaus könnten salinische Nasentropfen die Anwendungshäufigkeit von Dekongestiva deutlich reduzieren.

Iso- und mehr noch hyperosmolare Salzlösungen vermögen durch osmotische Effekte den Flüssigkeitsausstrom zu erhöhen. Die Becherzellen bilden mehr Sekret. Eine vermehrte Rhinorrhoe schwemmt die Viren und möglicherweise andere pathologische Keime aus.

Die chemisch definierten Sekretolytika Acetylcystein und Ambroxol werden zwar häufig unterstützend bei der akuten Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt, jedoch liegt für deren Nutzen keine Evidenz vor. Sie haben für diese Indikation auch keine Zulassung.

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