Auch die Blutzuckermessung ist leichter und moderner geworden. / © Getty Images/Halfpoint Images
Die moderne Therapie des Typ-1-Diabetes umfasst heute die Optionen Basal-Bolus-Gabe, Insulinpumpen und Hybrid-Closed-Loop-Systeme. Die konventionelle Basis-Bolus-Therapie (auch intensivierte konventionelle Insulintherapie) kombiniert ein lang wirkendes Basalinsulin (zum Beispiel Glargin-Analoga oder Degludec) mit kurzwirksamen Mahlzeitenboli.
Typisch sind vier bis sechs tägliche Injektionen, also zum Beispiel ein bis zwei Basalgaben plus zu jeder größeren Mahlzeit Bolusinsulin. Durch Blutzucker-Selbstmessung und Anpassung der Bolusdosen an Kohlenhydratmenge und weitere den Blutzucker beeinflussende Faktoren, wie Sport, Menstruationszyklus, Infekte, kann eine gute glykämische Kontrolle erreicht werden.
In den letzten Jahren ist die Insulinpumpentherapie bei Typ‑1-Diabetes immer beliebter geworden. Hier liefert eine Pumpe über einen Katheter kontinuierlich kurzwirksames Insulin und erlaubt Bolusgaben zu den Mahlzeiten. Pumpen ermöglichen sehr flexible Basalraten und eine genauere Anpassung an individuelle Bedürfnisse wie Sport oder Krankheitsphasen. Moderne Systeme können im Vergleich zu penbasierter Therapie zu besseren Blutzuckerwerten (niedrigerem HbA1c, höherer Zeit im Zielbereich) und weniger Hypoglykämien führen.
Ein weiterer Fortschritt sind Hybrid-Closed-Loop-Systeme (»teilautomatisches künstliches Pankreas«). Diese kombinieren die Glucosemessung (CGM) mit einer Insulinpumpe und einem Steuerungsalgorithmus, der die Basalabgabe automatisch reguliert. Studien zeigen, dass solche Systeme die »Time in Range« (TIR) erhöhen, den HbA1C verbessern und Unterzuckerungen im Vergleich zu Standardpumpen oder Basal-Bolus verringern. Sie erleichtern vielen Patienten den Alltag, da die Pumpe automatisch auf gemessene Schwankungen reagiert. Trotzdem ist noch manuelles Eingreifen bei größeren Mahlzeiten oder Sport wichtig, daher spricht man von »Hybrid«-Systemen. Moderne Technologien (Glucosesensoren mit Alarmfunktionen, Hybrid-Closed-Loop-Systeme) reduzieren das Hypoglykämie-Risiko.
Die Patientenedukation, die das Erlernen der Injektionstechnik, des Pen- oder Pumpenhandlings, der Kohlenhydrateinschätzung (BE-/KE-Rechnung), das Selbstmonitoring sowie das Vorgehen bei Krankheit oder Stress einschließt, erfolgt in der Regel durch spezialisiertes Personal. Besonders wichtig ist das für Hilfsmittel wie Insulinpumpen, CGM oder Closed-Loop-Systeme. Das Apothekenteam kann auf Schulungsangebote wie DMP-Programme oder Diabetesberatungen in Praxen und Kliniken hinweisen.
Schon heute zeigt sich, dass vollautomatisierte Systeme mit adaptiven Algorithmen den Alltag erleichtern und die Blutzuckerkontrolle verbessern können. Zukunftsträchtig sind neue Insuline: So ist mit Insulin Icodec (Awiqli®) mittlerweile ein Basalinsulin verfügbar, das nur einmal pro Woche injiziert werden muss. In der Pipeline befinden sich auch alternative Verabreichungsformen, für deren Gabe sich Patienten nicht stechen müssen (zum Beispiel inhalierbare Insuline).
Ein langfristiges Ziel ist die Heilung des Typ‑1-Diabetes. Hier arbeiten Forscher an Betazelltransplantationen und Stammzelltherapien, um insulinproduzierende Zellen neu einzupflanzen. Das gelingt idealerweise, ohne dass die Patienten dauerhaft Immunsuppressiva anwenden müssen. Andere Forschungsansätze testen »intelligentes Insulin«, das seine Wirkung gezielt freisetzt, wenn der Blutzucker steigt. Auf molekularer Ebene untersuchen Wissenschaftler auch neue Schutzmechanismen gegen autoimmunen Betazellschaden.
Künftige Therapien werden noch stärker auf die Individualisierung zielen, etwa mit einem personalisierten Insulinmix. Trotz der Fortschritte kann die Insulintherapie nur mit Aufklärung und Mitarbeit der Patienten ihr volles Potential entfalten. Die fachkundige Begleitung und Betreuung auch durch das Apothekenteam bleibt also wichtig.