PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Behandlung so früh wie möglich
-
Starke Krümmung bei Skoliose verhindern

Etwa zwei von 100 Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren haben eine Skoliose. Ob sie sich mit zunehmendem Alter verschlechtert, ist nicht immer einfach abzuschätzen. Fest steht aber: Eine Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen, um Folgeschäden möglichst zu verhindern.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 11.07.2023  11:30 Uhr

Remission bei Säuglingen

Ob eine Skoliose weiter voranschreitet oder einfach in einem Anfangsstadium verbleibt, lässt sich schwer prognostizieren und ist individuell ganz verschieden. Doch eines gilt in jedem Fall: Je früher die Erkrankung auftritt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie voranschreitet, wenn sie nicht behandelt wird. Das bezieht sich allerdings nicht auf die Skoliose bei Säuglingen. Binnen der ersten beiden Lebensjahre erleben 96 Prozent der betroffenen Babys eine vollständige Remission.

Beträgt der Cobb-Winkel nach den ersten beiden Lebensjahren jedoch noch 20 Prozent, dann ist davon auszugehen, dass die Verkrümmung der Wirbelsäule fortschreitet. Die Leitlinien widmen sich auch Alltagsthemen. Je nachdem, wie stark die Wirbelsäule verändert ist und sich dadurch bedingt Schmerzen zeigen, gibt die Leitlinie in diesem Kapitel vorsichtige Anhaltspunkte zur Berufswahl. Das allermeiste ist möglich, aber individuell kann es schon geschehen, dass sich bestimmte Tätigkeiten zumindest weniger eignen.

Dazu gehören solche, bei denen man sich häufiger bücken muss, jene, die mit dem schweren Heben und Tragen mittelschwerer und schwerer Lasten verbunden sind, außerdem Tätigkeiten, bei denen man andauernd gehen muss, sowie solche, die mit monotonen Körperhaltungen und Zwangshaltungen verbunden sind. Für den (Arbeits-)Alltag ist es auch wichtig zu wissen, dass Patienten mit AIS einen Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB) stellen können. Dabei gibt folgende Tabelle aus den Leitlinien Anhaltspunkte, welches Ausmaß an Beschwerden welchem GdB wahrscheinlich zugeordnet wird.

Wirbelsäulenschäden GdS/GdB
ohne Bewegungseinschränkungen oder Instabilität
mit geringen funktionellen Auswirkungen (Verformung, rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität geringen Grades, seltene und kurz dauernd auftretende leichte Wirbelsäulensyndrome) 10
mit mittelgradigen funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität mittleren Grades, häufig rezidivierende und über Tage andauernde Wirbelsäulensyndrome) 20
mit schweren funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität schweren Grades, häufig rezidivierende und Wochen andauernde ausgeprägte Wirbelsäulensyndrome) 30
mit mittelgradigen bis schweren funktionellen Auswirkungen in zwei Wirbelsäulenabschnitten 30 – 40
mit besonders schweren Auswirkungen (z.B. Versteifung großer Teile der Wirbelsäule/anhaltende Ruhigstellung durch Rumpforthese, die drei Wirbelsäulenabschnitte umfasst [z.B. Milwaukee-Korsett]/schwere Skoliose [ab ca. 70° nach Cobb]) 50 – 70
bei schwerster Belastungsinsuffizienz bis zur Geh- und Stehunfähigkeit 80 – 100
Quelle: S2k-Leitlinie »Adoleszente Idiopathische Skoliose«; Grad der Behinderung

Erhalten junge Menschen die Diagnose AIS, dann sorgen sie sich oft um die eigene körperliche Entwicklung und um ihre persönliche Wirkung innerhalb der Peergroup, so die Autoren der Leitlinie. Psychosoziale Probleme sind deshalb möglich und bedürfen einer frühen psychosozialen Unterstützung. Das ist auch deshalb so wichtig, weil die oft gestörte Körperwahrnehmung der Betroffenen und die damit einhergehenden seelischen Probleme wiederum ein eigenständiger Risikofaktor für Rückenschmerzen sind. 

Geht es um die Familienplanung, sehen die Experten der Leitlinie keine Einschränkungen. Sie schreiben: »Eine AIS ist kein Hindernis für eine normale Schwangerschaft und natürliche Geburt.« Und auch was Sport betrifft, gibt es gute Aussichten. Menschen mit AIS sollten sportlich aktiv sein, es existiert kein prinzipielles Verbot einzelner Sportarten und ein solches sollte auch vom behandelnden Arzt nicht erfolgen.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa