Gerade auf Reisen können Phobien stärker werden. »Weit weg von zu Hause fehlt die Sicherheit«, so Andreas Ströhle. Viele Betroffene vermeiden deshalb Reisen ganz – empfinden das aber selbst als einschränkend.
Wer zentrale Bereiche des Alltags aufgrund einer Phobie nicht mehr genießen kann, sollte sich professionelle Unterstützung suchen. Angststörungen lassen sich gut behandeln. Andreas Ströhle rät Betroffenen langfristig zu einer Psychotherapie. Häufig wird eine spezifische Phobie mit Methoden der Verhaltenstherapie behandelt, bei der sich Betroffene schrittweise ihren Ängsten stellen.
Daneben können – je nach Ausprägung – auch niedrigschwellige Ansätze helfen. Manche Betroffene profitieren von digitalen Gesundheitsanwendungen (»App auf Rezept«). Diese Programme bieten strukturierte Informationen und Übungen, um mit der Angst umzugehen. Sie können ärztlich verordnet werden, die Kosten übernehmen oft die Krankenkassen. Auch Selbsthilfegruppen oder auf bestimmte Phobien abgestimmte Workshops können unterstützen.
Wenn die Reise unmittelbar bevorsteht, gibt es auch spezielle Techniken, mit der Angst besser umzugehen oder sie zumindest auszuhalten. Generell hilft körperliche Aktivität, Adrenalin abzubauen. Zudem ist es vorteilhaft, auf Reisen eine sichere Umgebung zu schaffen: Etwa, indem man sich bewusst eine komfortable Unterkunft bucht, die als Rückzugsort dient.
»Letztlich geht es aber immer darum, der Angst die Stirn zu zeigen«, sagt Ströhle. »Nur in der Konfrontation lernt man, dass die Furcht aushaltbar und vielleicht doch gar nicht so schlimm ist. Wer Ängsten immer nachgibt, festigt sie.«
Wie ein solcher Umgang aussehen kann, zeigt Christian Zottl, Bergwanderführer, Höhenangst-Coach und ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Angsthilfe, am Beispiel der Höhenangst. Ganz frei davon sind die wenigsten. Die Angst vor der Höhe sei »durchaus eine sinnvolle Sache«, so Zottl. »Sie soll uns vor Gefahren schützen.«
In seinen Trainings geht es zunächst darum, Risiken realistisch einzuschätzen: Ist die Situation wirklich gefährlich? Ungesichert über einen schmalen Felsgrat zu wandern, kann tatsächlich riskant sein. Bei einer Brücke oder einem gut gesicherten Wanderweg ist das anders.
Ist die Situation ungefährlich, gilt es, den Stress aktiv anzugehen: »Ich frage meine Teilnehmer unter anderem, was hat Ihnen in anderen Situationen geholfen? Zum Beispiel am Arbeitsplatz. Eigene Ressourcen zu nutzen ist oft wirkungsvoller als fremde Programme.«