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Angst im Urlaub
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Strategien gegen Phobien auf Reisen 

Eine Reise planen, unterwegs sein, Neues erleben: Für viele Menschen ist das positiv besetzt. Für andere beginnt der Stress schon vorher. Sie denken an den Flug, an enge Räume, an Höhe oder an Menschenmengen. Phobien können den Urlaub erheblich belasten – sind aber weit verbreitet und in vielen Fällen gut behandelbar.
AutorKontaktdpa
Datum 03.04.2026  14:00 Uhr

Phobien – also Ängste, die durch bestimmte Situationen oder Objekte ausgelöst werden – gibt es viele. Und sie sind keine Seltenheit. »Rund ein Siebtel aller Menschen leiden an einer Phobie«, sagt Professor Andreas Ströhle, leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin.

Phobien werden oftmals in drei Hauptformen unterschieden, erklärt etwa das Universitätsklinikum Gießen und Marburg online: Agoraphobie, soziale Phobie und spezifische Phobien. Allen gemeinsam ist, dass die Angst an bestimmte Situationen oder Auslöser gebunden ist und oft zur Vermeidung führt. Wie zeigt sich das auf Reisen? Ein Überblick:

Agoraphobie: Angst vor bestimmten Orten

Bei dieser Form steht die Sorge im Vordergrund, sich an Orten unsicher zu fühlen oder nicht entkommen zu können. Typische Auslöser sind öffentliche Plätze, Menschenmengen oder unbekannte Umgebungen. Auf Reisen können etwa Bahnhöfe, Flughäfen, volle Innenstädte oder öffentliche Verkehrsmittel, die man im Fall panikartiger Beschwerden nicht verlassen kann, für Betroffene zur Belastung werden.

Soziale Phobie: Angst vor Bewertung

Betroffene fürchten, in sozialen Situationen im Mittelpunkt zu stehen oder negativ beurteilt zu werden. Auf Reisen betrifft das zum Beispiel Gespräche in fremder Sprache, Restaurantbesuche, Hotelkontakte oder Gruppenreisen.

Spezifische Phobien: Angst vor konkreten Auslösern

Diese Form richtet sich auf bestimmte Objekte oder Situationen, etwa Tiere, Höhe oder enge Räume. Auf Reisen können zum Beispiel Flugangst (Aviophobie), Höhenangst (Akrophobie), Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie) oder die Angst vor Tieren (Zoophobie) oder Insekten (Entomophobie) besonders einschränken.

Welche Symptome Phobien mit sich bringen

Die Symptome können sehr belastend sein: Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Schweißausbrüche oder Zittern. In schweren Fällen erreichen sie die Intensität einer Panikattacke. Außerdem können Erstickungsgefühle auftreten, die Todesangst auslösen können.

Oft versuchen Betroffene, angstauslösende Situationen zu vermeiden, sie schränken sich im Alltag immer mehr ein. Für Außenstehende ist das oft schwer nachzuvollziehen. Warum sollte man sich vor auffliegenden Vogelschwärmen fürchten – etwa auf dem Markusplatz in Venedig? Oder beim Anblick einer Seilbahn in Schweiß ausbrechen?

Wann professionelle Unterstützung wichtig ist

Gerade auf Reisen können Phobien stärker werden. »Weit weg von zu Hause fehlt die Sicherheit«, so Andreas Ströhle. Viele Betroffene vermeiden deshalb Reisen ganz – empfinden das aber selbst als einschränkend.

Wer zentrale Bereiche des Alltags aufgrund einer Phobie nicht mehr genießen kann, sollte sich professionelle Unterstützung suchen. Angststörungen lassen sich gut behandeln. Andreas Ströhle rät Betroffenen langfristig zu einer Psychotherapie. Häufig wird eine spezifische Phobie mit Methoden der Verhaltenstherapie behandelt, bei der sich Betroffene schrittweise ihren Ängsten stellen.

Daneben können – je nach Ausprägung – auch niedrigschwellige Ansätze helfen. Manche Betroffene profitieren von digitalen Gesundheitsanwendungen (»App auf Rezept«). Diese Programme bieten strukturierte Informationen und Übungen, um mit der Angst umzugehen. Sie können ärztlich verordnet werden, die Kosten übernehmen oft die Krankenkassen. Auch Selbsthilfegruppen oder auf bestimmte Phobien abgestimmte Workshops können unterstützen.

Kurzfristige Strategie bei Angst

Wenn die Reise unmittelbar bevorsteht, gibt es auch spezielle Techniken, mit der Angst besser umzugehen oder sie zumindest auszuhalten. Generell hilft körperliche Aktivität, Adrenalin abzubauen. Zudem ist es vorteilhaft, auf Reisen eine sichere Umgebung zu schaffen: Etwa, indem man sich bewusst eine komfortable Unterkunft bucht, die als Rückzugsort dient.

»Letztlich geht es aber immer darum, der Angst die Stirn zu zeigen«, sagt Ströhle. »Nur in der Konfrontation lernt man, dass die Furcht aushaltbar und vielleicht doch gar nicht so schlimm ist. Wer Ängsten immer nachgibt, festigt sie.«

Beispiel: Training gegen Höhenangst

Wie ein solcher Umgang aussehen kann, zeigt Christian Zottl, Bergwanderführer, Höhenangst-Coach und ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Angsthilfe, am Beispiel der Höhenangst. Ganz frei davon sind die wenigsten. Die Angst vor der Höhe sei »durchaus eine sinnvolle Sache«, so Zottl. »Sie soll uns vor Gefahren schützen.«

In seinen Trainings geht es zunächst darum, Risiken realistisch einzuschätzen: Ist die Situation wirklich gefährlich? Ungesichert über einen schmalen Felsgrat zu wandern, kann tatsächlich riskant sein. Bei einer Brücke oder einem gut gesicherten Wanderweg ist das anders.

Ist die Situation ungefährlich, gilt es, den Stress aktiv anzugehen: »Ich frage meine Teilnehmer unter anderem, was hat Ihnen in anderen Situationen geholfen? Zum Beispiel am Arbeitsplatz. Eigene Ressourcen zu nutzen ist oft wirkungsvoller als fremde Programme.«

Den Ängsten die Stirn bieten – mit Unterstützung

Der nächste Schritt ist die Konfrontation: also etwa eine Hängebrücke zu überqueren oder einen Turm zu besteigen – möglichst im eigenen Tempo und ohne zusätzlichen Druck. Auch eine verständnisvolle Begleitung kann helfen.

Wirksam sind zudem Atemübungen, die das vegetative Nervensystem beruhigen – etwa langsames, kontrolliertes Ein- und Ausatmen. Manche Betroffene empfinden auch Singen als hilfreich. Ein konkreter Tipp von Zottl: »Auf Brücken und dergleichen nicht zur Seite oder direkt nach unten schauen, wo man zwischen den Brettern den Abgrund sieht, sondern den Raum rund drei Meter vor sich anvisieren.«

Offen mit Mitreisenden umgehen

Wer mit anderen reist, sollte sie über bestehende Ängste informieren. »Dafür muss man sich nicht schämen«, sagt Professor Ströhle. »Und man darf davon ausgehen, dass einem die anderen wohlgesonnen sind.« Mitreisende können unterstützen – etwa, indem sie Verständnis zeigen, in stressigen Situationen nicht drängen und die Planung respektieren.

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