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Abhängigkeit überwinden
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Teufelskreis Alkoholsucht stoppen

Vor mehr als 60 Jahren erkannte das Bundessozialgericht Alkoholismus als Krankheit an. Doch so richtig angekommen ist diese Botschaft in der Gesellschaft bis heute nicht. Noch immer ist die Erkrankung mit einem Tabu belegt. Betroffene und Angehörige haben oft keinen Mut, offen darüber zu sprechen.
AutorKontaktAnnette Immel-Sehr
Datum 21.02.2020  15:30 Uhr

Kontrollverlust nimmt zu

Im weiteren Verlauf verlieren die Betroffenen zunehmend die Kontrolle. Sie sind nicht mehr in der Lage, Beginn, Menge und Ende des Trinkens zu bestimmen. Ihr Denken kreist in dieser Phase nahezu vollständig um den Alkohol. Sie bemitleiden sich, quälen sich zugleich mit Selbstvorwürfen und schaffen es trotzdem nicht, das Trinken einzustellen.

Allmählich verändert sich die Persönlichkeit des Kranken. Konflikte in der Familie sowie am Arbeitsplatz bleiben nicht aus, und der Alltag des Alkoholikers wird zunehmend problematisch. Die Erkrankung ist nicht mehr zu übersehen und bringt auch gravierende soziale Folgen mit sich, wie Verlust des Führerscheins, des Arbeitsplatzes, des Bekanntenkreises, des Partners oder der familiären Unterstützung.

Vollbild der Abhängigkeit

Selbst einfache Tätigkeiten kann der Kranke nur noch unter Alkohol ausführen. Sobald er keine alkoholischen Getränke zur Verfügung hat, zeigen sich deutliche körperliche Symptome. Entzugserscheinungen beginnen meist vier bis zwölf Stunden nach dem »letzten Schluck«. Am zweiten Tag sind sie am stärksten: Angstzustände, Schweißausbrüche, Zittern, Übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Sprechstörungen und Doppelbilder. Je nach Stärke der Symptomatik können Krampfanfälle auftreten, die lebensbedrohlich werden können. Depressive Verstimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken sind keine Seltenheit. Die schwerste Form des Alkoholentzugssyndroms ist das Delir. Neben den genannten Symptomen treten Desorientiertheit, Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen bis zum Koma auf. Störungen der Herz-Kreislauf-Regulation und der Atmung können dann lebensbedrohlich werden. Das Entzugsdelir ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden. Unbehandelt verläuft es in bis zu 15 Prozent der Fälle tödlich.

Chronischer Alkoholmissbrauch schädigt auf Dauer nahezu alle Organe. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bringt in einem Bericht rund 200 Krankheiten mit Alkoholkonsum in Verbindung, darunter einige Krebsarten. Die allgemeinen Symptome sind vielfältig und unspezifisch: schlechter Allgemeinzustand, Appetitmangel, Gewichtsverlust, gerötete Gesichtshaut, vermehrte Schweißbildung und Schlafstörungen. Besonders gefährdet durch übermäßigen Alkoholkonsum ist die Leber, die mehr als 90 Prozent des Alkohols abbaut. Dabei entsteht aus Ethanol Acetat, das unter anderem zum Aufbau von Fett verwendet wird. Alkohol hemmt die Fettsäureoxidation und die Abgabe von Lipoproteinen. Auf diese Weise lagert sich Fett in der Leber ein, es entsteht eine alkoholische Fettlebererkrankung (ASH).

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