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Abhängigkeit überwinden
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Teufelskreis Alkoholsucht stoppen

Vor mehr als 60 Jahren erkannte das Bundessozialgericht Alkoholismus als Krankheit an. Doch so richtig angekommen ist diese Botschaft in der Gesellschaft bis heute nicht. Noch immer ist die Erkrankung mit einem Tabu belegt. Betroffene und Angehörige haben oft keinen Mut, offen darüber zu sprechen.
AutorKontaktAnnette Immel-Sehr
Datum 21.02.2020  15:30 Uhr

Weniger trinken oder ganz verzichten?

Die unterschiedlichen Indikationen von Acamprosat und Naltrexon (Abstinenzbemühungen stützen) versus Nalmefen (Trinkmenge reduzieren) spiegeln einen Dauerstreit wider, welches Therapieziel bei Alkoholikern eigentlich anzustreben ist. Ist eine lebenslange Abstinenz überhaupt realistisch oder sollte man sich nicht pragmatisch mit der zweitbesten Lösung arrangieren? Schließlich bringt auch die Reduktion der Alkoholmenge schon einen Gesundheitsvorteil und ermöglicht vielleicht sogar teilweise eine soziale Rehabilitation. Allerdings ist nicht erwiesen, ob Menschen mit Alkoholabhängigkeit »reduziertes« oder »kontrolliertes« Trinken durchhalten können oder ob sie nicht doch früher oder später die Menge wieder erhöhen.

Die Empfehlung vieler Experten lautet, nach einer Entwöhnung lebenslang vollständig auf Alkohol zu verzichten. Auch bei totaler Abstinenz bleibt ein »Suchtgedächtnis« bestehen. Das Gehirn hat gespeichert, dass Alkohol ein gutes Gefühl auslöst. Eine kleine Menge kann genügen, um den Wunsch nach dem vertrauten angenehmen Effekt übermächtig werden zu lassen, und damit einen Rückfall auszulösen.

Bislang konnten Wissenschaftler nicht klären, ob das Suchtgedächtnis jemals wieder gelöscht wird oder ob dies möglicherweise durch eine Pharmakotherapie gelingen kann. Deswegen raten Mediziner trockenen Alkoholikern meist, auch kleine und kleinste Mengen Alkohol zu meiden, also auch alkoholhaltige Saucen, Pralinen oder Desserts.

Dennoch kann es im Einzelfall eine richtige Entscheidung sein, »nur« eine Reduktion der Trinkmenge anzustreben, etwa bei einem besonders schwer Abhängigen oder einem Alkoholiker, der keinerlei sozialen Rückhalt hat. Manchmal kann die Reduktion der Alkoholmenge auch ein Zwischenziel sein. Möglicherweise gelingt es dann anschließend, den Betroffenen zu einer qualifizierten Entzugsbehandlung zu motivieren.

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