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Beratungskompetenz
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Über Nebenwirkungen achtsam aufklären

Zu Risiken und Nebenwirkungen zu beraten, ist die Pflicht von Apothekern und PTA bei der Abgabe von Arzneimitteln. Doch was ist wirklich relevant, wie sollte formuliert werden, damit die Patienten keine Angst vor dem Arzneimittel entwickeln? Hier sind Kompetenz und Fingerspitzengefühl gefordert.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 12.02.2019  15:12 Uhr

Schwachstelle Nieren

Renale Risikoarzneimittel sind dann besonders kritisch, wenn auch mitunter unumgänglich. Sehr häufig kommen im Alter NSAR, Diuretika und ACE-Hemmer oder Sartane zum Einsatz. Die Dreierkombination erhöht signifikant das Risiko für akutes Nierenversagen. In der Fachsprache wird der Dreifach­angriff auf die Nieren als »Triple Whammy« bezeichnet. NSAR hemmen die Prostaglandinsynthese, ACE-Hemmer oder Sartane blockieren die Wirkung des Angiotensin II, und ein Diuretikum reduziert das Volumen in den Gefäßen. Alle drei Effekte zusammen senken den Filtrationsdruck in den Nierenglomeruli so stark, dass ein akutes Nierenver­sagen drohen könnte.

Beginnende Nierenschäden bemerkt der Patient nicht. Die durch Arzneistoffe verursachten Nierenprobleme werden deshalb häufig erst diag­nostiziert, wenn bereits ein akutes Nierenversagen droht. Nephro­toxisch sind beispielsweise Zytosta­tika, Aminoglykoside, Amphotericin und Virustatika. Ärzte müssen die Nierenfunktion bei Patienten, die bekanntermaßen nierenschädigende Arzneimittel einnehmen, engmaschig überwachen.

Elektrolytverschiebungen, höheres Lebensalter, bekannte Herzerkrankung, genetische Disposition und Medikamente stellen Risikofaktoren für Arrhyth­mien dar. Zu den Arzneistoffen mit einem bekannten Risiko für Torsade de pointes bei bestimmungs­gemäßer Einnahme zählen auch Amiodaron­, Dronedaron, Azithromycin, Levofloxacin und Citalopram. Der Patient spürt eine QT-Zeit-Verlängerung nicht, sie lässt sich nur im EKG diagnostizieren. Erst einsetzende Arrhythmien bereiten Symptome wie Ohnmacht, Schwindel oder Übelkeit. Herz­rhythmusstörungen können in schweren Fällen ein Kammerflimmern bis zum plötzlichen Herztod hervorrufen. Um das Risikopotenzial eines Arzneistoffs abzufragen, eignet sich die nonprofit-Seite www.crediblemeds.org. Sie gibt detailliert Auskunft und wird ständig aktualisiert.

Problematisch sind bei alten ­Menschen die additiven Wirkungen mehrerer Anticholinergika. So zählen Anti­emetika, Antiparkinsonmittel, Arzneimittel bei Inkontinenz, trizyklische Anti­depressiva, Neuroleptika und Antihistaminika zu den Arzneimitteln mit anticholinergen Wirkungen. Die Patienten klagen über Mundtrockenheit, Harnverhalt, Tachykardie und kognitive Einschränkungen. Vor allem die Mundtrockenheit lässt sich leicht während der Beratung in der Apotheke er­kennen. Sie ist der häufigste Grund dafür, dass Patienten Anticholinergika absetzen. Um die anticholinerge Last zu bestimmen, können Kalkulatoren zu Rate gezogen werden, zum Beispiel www.anticholinergicscales.es/calculate oder www.acbcalc.com. Generell gilt bei Patienten über 65 Jahre »start low, go slow« bei der Dosisfindung.

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