Für Überstunden erhalten 81 Prozent der von Adexa Befragten Freizeitausgleich. / © Getty Images/nicoletaionescu
Adexa fordert seit Jahren eine verlässliche Arbeitszeiterfassung sowie einen fairen Umgang mit Überstunden und Mehrarbeit. Wie die Situation in öffentlichen Apotheken tatsächlich aussieht, zeigt eine Umfrage unter 1123 Angestellten. Die Prozentangaben beziehen sich jeweils auf die Zahl der Antwortenden, da nicht alle Teilnehmenden jede Frage beantworteten und teilweise Mehrfachnennungen möglich waren.
Viele Beschäftigte verfügen über eine gewisse Planungssicherheit: Von den 1094 Personen, die diese Frage beantworteten, arbeiten 71,5 Prozent mit festen Arbeitszeiten. Gleichzeitig berichtet etwa ein Drittel (31,2 Prozent) von häufigen, teilweise kurzfristigen Änderungen der Dienstpläne. Positiv fällt auf, dass knapp zwei Drittel (64,9 Prozent) angeben, ihre persönlichen Wünsche würden bei der Dienstplanung meist berücksichtigt.
Deutlich kritischer fällt das Bild bei der Arbeitszeiterfassung aus. Von 1085 Antwortenden gibt rund die Hälfte (49,9 Prozent) an, dass ihre tatsächliche Arbeitszeit von der Apothekenleitung nicht erfasst wird. Wo eine Zeiterfassung erfolgt, kommen überwiegend digitale Systeme zum Einsatz. Dennoch bleiben zahlreiche Arbeitszeiten unberücksichtigt.
Besonders häufig betrifft dies sogenannte Vor- und Nacharbeiten. Dazu zählen etwa das Hochfahren der Computer vor Arbeitsbeginn, das Vorbereiten der Arbeitsplätze oder der Kassenabschluss nach Ladenschluss. Von 528 Antwortenden geben lediglich 38,6 Prozent an, dass diese Tätigkeiten als Arbeitszeit erfasst werden. Fast die Hälfte berichtet hingegen, dass dies nicht der Fall ist.
Auch bei verpflichtenden Fortbildungen zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Von 520 Antwortenden werden diese bei gut 71 Prozent als Arbeitszeit angerechnet, knapp jede fünfte Person erhält jedoch keine Zeitanrechnung. Etwas besser sieht es bei Teambesprechungen aus: Von 508 Antwortenden berichten 80,5 Prozent, dass diese als Arbeitszeit gelten. Knapp die Hälfte der 1055 Personen, die Angaben zu Jahresarbeitszeitkonten machten, arbeitet mit einem solchen Modell. In vielen Apotheken wird damit weiterhin nach klassischen Arbeitszeitmodellen gearbeitet.
Bei der Frage zum Ausgleich von Überstunden waren Mehrfachantworten möglich. Insgesamt wurden 1200 Antworten ausgewertet. Danach erhalten 81 Prozent Freizeitausgleich für Überstunden, 14,1 Prozent eine finanzielle Vergütung. Problematisch ist aus Sicht von Adexa jedoch, dass 2,7 Prozent berichten, für geleistete Überstunden keinerlei Ausgleich zu erhalten.
Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei tariflichen Mehrarbeitszuschlägen aus. Von 1048 Befragten geben lediglich 5,7 Prozent an, Zuschläge nach § 8 BRTV tatsächlich zu erhalten – 67,6 Prozent bekommen keine.
Die Umfrage zeigt: Während Dienstplanung und Teamabsprachen vielerorts vergleichsweise gut funktionieren, bestehen bei Zeiterfassung und Mehrarbeit erhebliche Defizite. Zwischen der tatsächlich geleisteten und der offiziell dokumentierten Arbeitszeit klafft vielerorts eine deutliche Lücke – zulasten der Beschäftigten.
Die Auswertung basiert auf 1123 Datensätzen und ist nicht repräsentativ. Die größte Teilnehmergruppe waren PTA (46,6 Prozent), gefolgt von Apothekerinnen und Apothekern (27,8 Prozent) sowie PKA (11,2 Prozent). Besonders stark vertreten sind die Altersgruppen zwischen 40 und 59 Jahren. Die meisten Rückmeldungen stammen aus Bayern, Nordrhein, Westfalen-Lippe und Baden-Württemberg.