Kleinere Verbrennungen, die nur die oberste Hautschicht und eine geringere Fläche als die Innenfläche einer Hand ohne Finger betreffen, können fünf bis zehn Minuten lang mit langsam und ohne Druck laufendem lauwarmen Wasser behandelt werden, um den Schmerz zu lindern. Ist das schwierig, beispielsweise wenn Gesicht oder Dekolleté betroffen sind, tut es laut Dermatologe Liebich auch ein weiches, mit lauwarmem Wasser getränktes Tuch. »Ist die Brandwunde größer, schmerzt sie stark oder sind Gelenke oder Genitalien betroffen, sollte aber eine Ärztin oder ein Arzt auf die Wunde schauen – und bei schweren und großflächigen Verbrennungen sollte man auf jeden Fall den Rettungsdienst rufen.«
Denn großflächige Verbrennungen machen nicht nur weitere Behandlungen nötig, sondern können auch zu Kreislaufproblemen führen, zu einem Schock, zu Entzündungsreaktionen oder sogar zu Organversagen. Lebensbedrohlich wird es, wenn bei Kindern 5 bis 10 Prozent und bei Erwachsenen mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. Zur Orientierung: Eine Handfläche mit Fingern entspricht etwa 1 Prozent der Körperoberfläche.
Bei großflächigen Verletzungen ab Grad II sollte man deshalb auch auf keinen Fall lauwarmes oder gar kaltes Wasser über die Wunde laufen lassen, denn hier besteht die Gefahr einer Auskühlung. Wenn möglich, sollten aber eventuell vorhandener Schmuck und Kleidungsstücke entfernt werden, damit sie nicht als Hitzespeicher wirken und die Wunde so unnötig reizen. »Ist die Kleidung allerdings in die Haut eingebrannt, sollte sie auf keinen Fall durch Ersthelfer abgerissen werden«, warnt Liebich. »Das muss dann eine Ärztin oder ein Arzt machen.« Diese legen dann ein steriles Brandtuch oder eine aluminiumbedampfte Kompresse auf, um zu verhindern, dass Schmutz oder andere Partikel an die offene Wunde gelangen.
Kleinere Brandwunden reinigt und versorgt der Arzt meist mit einem sterilen Spezialverband und einer antibiotischen Salbe – totes Hautgewebe und aufgeplatzte Blasen werden zuvor entfernt. Eventuell muss auch der Impfschutz gegen Tetanus aufgefrischt werden. Schwere Verbrennungen erfordern meist eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus. Oft wird dann Hautgewebe von einer anderen Körperstelle auf die betroffene Wunde verpflanzt, sodass sie besser verheilen kann. Denn Hautwunden heilen von den Rändern her nach innen – das kann lange dauern und birgt ein entsprechend hohes Risiko für Infektionen. Goldstandard zur Behandlung von Brandwunden ist deshalb die Eigenhauttransplantation, damit die Wunde abgedeckt ist und auch von der Mitte aus heilen kann. Doch sowohl das Entnehmen der Haut als auch das Verpflanzen ist nicht ganz unproblematisch, beispielsweise kommt es häufig zu Vernarbungen.