Psychische Erkrankungen verursachen oft versteckte Kosten – finanziell, sozial und emotional. Manche Kosten entstehen auch ganz konkret: durch Impulskäufe oder Suchtverhalten. / © Getty Images/pixelrainstudio
Nicht rechtzeitig arbeitssuchend gemeldet, eine Rechnung vergessen, einen Impulskauf nicht zurückgeschickt oder das falsche Bahnticket gebucht: Symptome psychischer Erkrankungen können im Alltag Zeit, Energie und bares Geld kosten.
Im Zusammenhang mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) nutzen Betroffene dafür den Begriff »ADHS-Steuer« (oft auf Englisch: »ADHD tax«). Der Ausdruck soll die versteckten Kosten verbildlichen, die typischen Symptomen wie Vergesslichkeit, Unorganisiertheit, Prokrastination, Impulsivität oder sogenannter Zeitblindheit geschuldet sind.
Das Prinzip lässt sich auch auf andere psychische Erkrankungen übertragen. Zu den unsichtbaren Kosten vom Leben mit Depression, Angst-, Zwangs- oder Aufmerksamkeitsstörungen zählen dabei nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch verlorene Zeit, sozialer Rückzug und eine eingeschränkte Lebensqualität.
Dass psychische Erkrankungen »Kosten« verursachen, klingt technisch. In der Psychotherapie ist dieser Blick jedoch geläufig. Dort wird häufig gemeinsam mit dem Patienten eine Kosten-Nutzen-Abwägung vorgenommen: Welche Vor- und Nachteile hat die aktuelle Situation? Das fördert das Verständnis für die Erkrankung und kann die Motivation zur Veränderung stärken. Oder anders gesagt: Wie lassen sich die Gewinne erhöhen und die Kosten verringern?
»Das Symptom einer psychischen Erkrankung kann einen im Alltag behindern, aber gleichzeitig Dinge möglich machen, die ohne die Krankheitszeichen weniger denkbar wären«, sagt der Psychotherapeut Enno Maaß. Ängste etwa könnten zwar einschränken, führten aber mitunter dazu, dass das Umfeld unterstützend einspringt.
Das ist kurzfristig ein Gewinn. »Langfristig führt es aber dazu, dass man das Problem nicht angeht«, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. Der Patient verfestigt seinen eingeschränkten Aktionsradius.