Auch die Arbeit in der Apotheke kann mit emotionaler Belastung einhergehen. / © Shutterstock/BearFotos
»Es sind Berufe, in denen man sehr viel Kontakt mit anderen Menschen hat – aber nicht als Kollegen, sondern als Dienstleistende«, sagt Johannes Wendsche, Diplom-Psychologe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Das betrifft Jobs etwa in der Pflege, im Rettungsdienst oder bei Polizei und Justiz, aber auch Tätigkeiten im Kundenservice.
Die emotionale Belastung entsteht laut Wendsche, wenn Arbeitnehmende mit dem Leid anderer konfrontiert sind – etwa nach einem Unfall oder im Umgang mit kranken und hilfebedürftigen Menschen. Stark belastend kann es aber auch sein, wenn Polizistinnen und Polizisten oder Feuerwehrleute Belästigung erfahren – etwa durch Anspucken. Oder Gewalt in Form von Tritten und Schlägen.
Herausfordernde Bedingungen wie Unterbesetzung und Überstunden können den Druck verstärken. »Die teils enorme Anspannung entsteht, wenn Beschäftigte den Eindruck haben, dass sie angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen die Qualität ihrer Arbeit nicht gewährleisten können«, sagt Sabine Gregersen, Diplom-Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).
»Es kann aber auch emotional sehr belastend sein, wenn Beschäftigte im Job ihre Gefühle unterdrücken müssen«, so Wendsche. Ein Kontrolleur in der Bahn müsse immer freundlich und gelassen bleiben, obgleich er innerlich vor Wut kocht über einen Fahrgast, der ihn grob beschimpft und beleidigt hat.
»Typisch sind Grübelschleifen«, sagt Wendsche. Die Gedanken drehen sich um Erlebnisse bei der Arbeit, kehren immer wieder. Ein weiteres Signal können Schlafprobleme sein. Betroffene hätten Probleme, ein- oder durchzuschlafen. Andere reagieren dauerhaft gereizt oder ziehen sich im privaten Umfeld zurück.
»Manche vernachlässigen auch Hobbys, haben Stimmungsschwankungen oder fühlten sich innerlich leer«, zählt Gregersen weitere mögliche Signale für Überlastung im Beruf auf. Darauf könnten auch Konzentrationsstörungen oder eine verminderte Leistungsfähigkeit hindeuten. »Solche Warnsignale sollten Betroffene ernst nehmen«, sagt Wendsche.
»Das ist der Fall, wenn sich Betroffene dauerhaft, also über mehrere Wochen hinweg, erschöpft fühlen und ungewohnt gereizt reagieren«, sagt Johannes Wendsche. Auch dauerhafte Schlafstörungen oder psychosomatische Beschwerden wie Rückenschmerzen können ein Hinweis auf Überforderung oder zu hohe Belastungen im Job sein.
»Je früher Betroffene auf professionelle Hilfe setzen, desto besser«, sagt Sabine Gregersen. Anlaufstelle für BGW-Versicherte kann die telefonische Krisenberatung der BGW sein. Andere Beschäftigte haben etwa die Option, Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements ihres Unternehmens zu nutzen. »Auch die Betriebsärztin oder der Hausarzt können Betroffenen einen Weg weisen«, so Wendsche. Eine Lösung kann unter anderem eine kognitive Verhaltenstherapie sein, bei der Teilnehmende lernen, wie sie sich von emotional belastenden Momenten im Job mental abgrenzen.