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Antibiotika
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Warum der Wirkort zählt

Antibakterielle Therapien müssen passen – nicht nur bezüglich des Erregers, sondern auch zum jeweiligen Infektionsort. Denn nicht alle Antibiotika erreichen in jedem Gewebe wirksame Konzentrationen.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 10.02.2026  08:00 Uhr

Antibiotika gehören zu den meistverordneten Arzneimitteln. Allein im Jahr 2023 wurden nach Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) rund 36,1 Millionen Packungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verschrieben. Die Auswahl eines geeigneten Wirkstoffs richtet sich dabei in erster Linie nach dem vermuteten oder nachgewiesenen Erreger. Für den Therapieerfolg ist jedoch ebenso die Gewebegängigkeit entscheidend, also ob das Antibiotikum den Ort der Infektion in ausreichender Konzentration erreicht.

Klappt das nicht, bleibt der Antibiotikaspiegel unterhalb der für eine wirksame Hemmung oder Abtötung der Bakterien erforderlichen Konzentration. In diesem Fall bleibt nicht nur die gewünschte klinische Wirksamkeit aus; subtherapeutische Konzentrationen können zudem die Selektion resistenter Bakterien begünstigen.

Was beeinflusst die Gewebegängigkeit?

Wenn es um die Verteilung eines Wirkstoffes im Körper geht, sind vor allem seine physikochemischen Eigenschaften von Bedeutung: sind sie eher fett- oder wasserlöslich, sauer oder basisch? So können beispielsweise lipophile Substanzen wie Fluorchinolone und Makrolide Membranen gut passieren und erreichen dadurch hohe intrazelluläre Konzentrationen. Sie weisen deshalb häufig ein hohes Verteilungsvolumen auf, während die Konzentration im Blutplasma oder dem Zwischenraum zwischen Geweben oder Zellen (Interstitium) vergleichsweise gering bleibt.

Wasserlösliche Substanzen wie viele Betalactam-Antibiotika verbleiben hingegen überwiegend im Extrazellulärraum und erreichen gerade im Interstitium therapeutisch wirksame Konzentrationen. In diesem Bereich befinden sich laut der S2k-Leitlinie »Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen« der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie die meisten Erreger.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Verteilung von Arzneistoffen ist die Proteinbindung im Serum – vor allem an Albumin. Da nur der freie, ungebundene Anteil eines Antibiotikums wirken kann, muss gewährleistet sein, dass Substanzen mit einer hohen Proteinbindung ausreichend hoch dosiert werden.

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