PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Keine Frage der sexuellen Orientierung
-
Was ändert sich beim Blutspenden?

Blutspender werden künftig nicht mehr nach ihrer sexuellen Orientierung befragt. Das sieht eine erneuerte Richtlinie der Bundesärztekammer vor. Was Spender und Empfänger jetzt wissen müssen.
AutorKontaktdpa
Datum 01.09.2023  11:00 Uhr
Welche Blutspende-Regeln galten bislang in Bezug auf das Sexualverhalten?

Welche Blutspende-Regeln galten bislang in Bezug auf das Sexualverhalten?

Unabhängig von der Sexualpraxis galt bislang noch als risikoreich, wenn ein Mann innerhalb der letzten vier Monate Sex mit einem neuen Mann hatte. Bei Sexualverkehr zwischen Frau und Mann wurde hingegen für vier Monate nur zurückgestellt, wer »häufig wechselnde Partner/Partnerinnen« hatte.

Was ist Auslöser für die Änderung?

Im März 2023 beschloss das Parlament, »eine unvertretbare, medizinisch unnötige Diskriminierung« homosexueller Männer bei Blutspenden zu beseitigen, wie es Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nannte.

Das Gesetz trug der Bundesärztekammer eine entsprechende Änderung der Richtlinie auf. Im Transfusionsgesetz wurde dafür festgelegt, dass die sexuelle Orientierung bei der Bewertung des Risikos, das zu einem Ausschluss oder einer Rückstellung von Blutspenden führt, nicht berücksichtigt werden darf. Eine Einschätzung solle aber nach dem »individuellem Sexualverhalten der spendewilligen Person« möglich bleiben.

Wieso galten für homo- und bisexuelle Männer bislang andere Kriterien?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zeigen epidemiologische Daten, dass Sex unter Männern mit einem besonders hohen Übertragungsrisiko für verschiedene Infektionen einhergeht. Etwa zwei Drittel der jährlichen Neuinfektionen mit HIV fielen auf MSM. Auch bei Syphiliserkrankungen, bei denen der Infektionsweg bekannt sei, wurden dem RKI zufolge 85 Prozent aller Erkrankungen auf Sex unter Männern zurückgeführt (Stand: September 2021). Bis 2017 durften MSM und Transmenschen deswegen sogar gar nicht Blut spenden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen gelten bei der Blutspende?

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden täglich 15.000 Blutspenden für Operationen, zur Versorgung von Unfallopfern und für die Behandlung schwerer Krankheiten benötigt. Um eine sichere Versorgung zu garantieren, werden alle Blutspenden im Labor auf spezielle Infektionskrankheiten untersucht, etwa auf HIV, Syphilis und Hepatitis B, C und E.

Transfusionsmediziner Oldenburg zufolge wird die Spende etwa auch auf eine Infektion mit dem West-Nil-Virus überprüft. Allerdings könnten die Tests keine absolute Sicherheit geben, auch wenn sie äußert sensibel seien. Vor allem sehr neue Infektionen können erst nach einer gewissen Zeit im Blut nachgewiesen werden. Daher müssen Spendeninteressierte vor einer Spende einen umfangreichen Fragebogen zu ihrer Gesundheit ausfüllen und ein Arztgespräch führen.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa