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Hilfe oder Schaden?
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Was Sport bei Arthrose bewirkt

Beim Thema Sport und Arthrose scheiden sich die Geister: Begünstigt und verschlimmert er Gelenkprobleme oder sollte man gerade dann viel trainieren? Alles eine Frage der Technik und der Dosis, meint die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 06.06.2024  12:00 Uhr

Rund 70 bis 80 Prozent der Über-70-Jährigen klagen der GOTS zufolge über die Anzeichen einer Arthrose. Gleichzeitig wolle gerade diese Altersgruppe möglichst lange fit und agil bleiben. Das stellt die Sportmedizin vor große Herausforderungen – so auch Professor Stefan Nehrer, Leiter des Zentrums für Regenerative Medizin und des Departments für Gesundheitswissenschaften, Medizin und Forschung an der Universität für Weiterbildung Krems, der sich dem Thema Sport bei Arthrose auf dem Jahreskongress der GOTS angenommen hat.

Wie Arthrose entsteht

Arthrose kann grundsätzlich alle Gelenke betreffen. Im Sport relevant sind Nehrer zufolge jedoch vor allem die Kniegelenke, das obere Sprunggelenk, die Hüfte und die Schultern. Zu der Erkrankung komme es durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Unfälle führten beispielsweise zu feinsten Mikrorissen im Knorpel und schädigten dessen empfindliche Strukturen. Häufig vorkommende Sportverletzungen begünstigten Gelenkdefekte, im Knie seien das meist Meniskus-, Kreuzband- und Knorpelverletzungen. Daneben führe Knorpelabrieb zu Reizungen an der Gelenkschleimhaut, was wiederum Entzündungen auslöse. Diese setzen Enzyme frei, die das Kollagengerüst schnell zerstören, wie Nehrer erklärt. Die Symptome seien zu Beginn meist ein Anlauf- oder Belastungsschmerz und später eine eingeschränkte Beweglichkeit.

Was dem Knorpel schadet

Gelenkknorpel besteht zu etwa 60 bis 80 Prozent aus Wasser, zu 20 bis 40 Prozent aus Kollagen und zu 5 Prozent aus Knorpelzellen. Bei Belastung und Druck gibt Knorpel Flüssigkeit ab, die der Dämpfung, der Gleitfähigkeit und einer optimalen Gelenkschmierung dient. Diese viskoelastischen Fähigkeiten sind laut Nehrer jedoch zeitlich begrenzt, was heißt, dass regelmäßige Erholungsphasen notwendig sind.

Kontraproduktiv seien daher langes Stehen und Sitzen oder eine Überlastung im Sport, beispielsweise durch zu lange und schnelle Trainingseinheiten. Das gelte auch für Sportarten mit ständigen abrupten, intensiven Richtungswechseln und Beschleunigungen – wie beispielsweise Fußball, Handball und Tennis.

»Um die Knorpelzelle zu ernähren, sind zyklische Belastungen mit Be- und Entlastungsphasen notwendig. Durch den Pumpmechanismus bei Belastung erfolgt die notwendige Diffusion der Nährstoffe in die Zelle«, so die GOTS. Oder anders formuliert: Ausdauertraining mit zyklischer Belastung kann den Gelenkknorpel positiv beeinflussen, übertriebene Belastung wirkt dagegen negativ.

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